"Gefälliger Anblick des Äußeren"

Die »Zehn Bücher über Architektur«, die als die ältesten noch existierenden Werke zur Baukunst gelten, wurden bis in die Renaissance und klassizistische Periode zur Hand genommen und prägten unter anderem die Arbeiten von Michelangelo oder Andrea Palladio. Ob sich auch Leonardo da Vinci von Vitruv inspirieren ließ, ist unbekannt. Bei seiner berühmten Skizze des »vitruvianischen Menschen« – dieser Name stammt nicht von ihm, sondern von Kunst-historikern – schien er jedenfalls exakt den Beschreibungen Vitruvs zu folgen (siehe Bild S. 62). Im ersten Kapitel seines dritten Buchs – »Woher die symmetrischen Verhältnisse auf die Tempel übertragen sind« – beschrieb er nämlich, dass sich der menschliche Körper geometrisch in die Formen eines Quadrats und eines Kreises einfügt: »Ferner ist natürlicherweise der Mittelpunkt des Körpers der Nabel. Liegt nämlich ein Mensch mit gespreizten Armen und Beinen auf dem Rücken und setzt man die Zirkelspitze an der Stelle des Nabels ein und schlägt einen Kreis, dann werden von dem Kreis die Fingerspitzen beider Hände und die Zehenspitzen berührt. Ebenso, wie sich am Körper ein Kreis ergibt, wird sich auch die Figur eines Quadrats an ihm finden. Wenn man nämlich von den Fußsohlen bis zum Scheitel Maß nimmt und wendet dieses Maß auf die ausgestreckten Hände an, so wird sich die gleiche Breite und Höhe ergeben, wie bei Flächen, die nach dem Winkelmaß quadratisch angelegt sind.« ...
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