Paläontologie: Frühe Kletterer
Suminia getmanovi maß etwa 50 Zentimeter vom Kopf bis zum Schwanzende und lebte vor 260 Millionen Jahren, also lange bevor Dinosaurier die Erde beherrschten. Ein Forscherteam um Jörg Fröbisch vom Field Museum Chicago entdeckte kürzlich gleich mehrere gut erhaltene Skelette der kleinen Reptilien in einem zusammenhängenden Block aus rotem Tonstein in der zentralrussischen Region Kirow. Das besondere an diesem Fund: Suminia erwies sich als das älteste bekannte Wirbeltier, das auf Bäumen kletterte und sich von Blättern ernährte.
Belege für die überraschend luftige Lebensweise lieferte eine nähere Untersuchung der Skelette. Die Tiere hatten lange Finger und einen gegenüberliegen Daumen zum Greifen sowie einen kräftigen Schwanz, mit dem sie sich festhalten konnten – alles Eigenschaften, die einen guten Kletterer ausmachen.
"Es hat uns überrascht, ergibt aber Sinn", kommentiert Fröbisch die Ergebnisse seiner Untersuchung. "Bäume boten eine neue Nische für Wirbeltiere. Hier fanden sie viel zu fressen und entgingen zudem Raubtieren auf dem Boden." Bisher galten Reptilien aus der oberen Trias, die vor etwas mehr als 200 Millionen Jahren lebten, als erste kletternde Wirbeltiere.
Die neue Untersuchung wirft zugleich ein Licht auf die Struktur der terrestrischen Nahrungspyramide gegen Ende des Perms. Große Bodenbewohner teilten sich demnach die pflanzliche Nahrung mit kleinen Kletterern, und beide dienten Fleischfressern als Beute. Das bedeutete eine Umstellung gegenüber den Verhältnissen davor, als wenigen Pflanzenfressern viele Jäger in verschiedenen Größen gegenüberstanden, die es vor allem auf Insekten und Wassertiere abgesehen hatten.
Andreas Baumann
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