Jung gebliebene Veteranen
Platerodrilus sp.
Diese trilobitenförmige philippinische Käferart der Gattung Platerodrilus aus der Familie der Rotdeckenkäfer (Lycidae) ist noch unbeschrieben. Das Weibchen kann bis zu acht Zentimeter lang werden. Obwohl sein Körperbau noch dem der Larve entspricht, wird es geschlechtsreif. Denn anders als die nur etwa sieben Millimeter großen männlichen Artgenossen verpuppen sich die Weibchen nicht. Zoologen sprechen von Neotenie, wenn die Geschlechtsreife im Larvenzustand ohne vorhergehende Metamorphose eintritt.
So rätselhaft wie dieses Prachtexemplar ist die Evolution der sechsbeinigen Krabbler insgesamt. Aufschluss erhoffen sich viele Forscher von Vergleichen der DNA-Sequenzen vieler hundert Käferarten. So bringen Wissenschaftler langsam Licht in das undurchdringliche Geäst des gigantischen Stammbaums, der sich vor fast 300 Millionen Jahren zu Zeiten des Käferurahns zu verzweigen begann. Heute erweitern die Insektenkundler das unvollständige und immer wieder umgebaute Puzzle jährlich um Hunderte von Neubeschreibungen. Mit bislang etwa 350 000 Spezies – etwa einem Viertel aller Lebensformen – stellen die Käfer zahlenmäßig das erfolgreichste Team im erdgeschichtlichen Überlebenskampf der Arten. Dabei erwiesen sie sich als enorm flexibel und besetzten eine unüberschaubare Vielzahl ökologischer Nischen. Es finden sich viele zeitlose Erfolgsmodelle, die schon zig Millionen Jahre allen Widrigkeiten des Lebens trotzen, ohne sich wesentlich zu wandeln.
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