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Kleine Magellansche Wolke: Vernachlässigter Nachbar

Ein blauer Schimmer in der Kleinen Magellanschen Wolke zeugt von aktiver Sternentstehung und wurde hier ohne Teleskop, nur mit einer Kamera, in einer langen, klaren Nacht in Chile eindrucksvoll festgehalten.
Eine astronomische Aufnahme zeigt die Kleine Magellansche Wolke, eine irreguläre Zwerggalaxie, die von zahlreichen Sternen umgeben ist. Die Galaxie erscheint als leuchtender, nebliger Bereich mit bläulichen und rötlichen Tönen, die auf Sternentstehungsgebiete hinweisen. Links oben ist ein kugelförmiger Sternhaufen zu sehen. Der Hintergrund ist mit unzähligen Sternen übersät, die den tiefen Weltraum darstellen.

Vernachlässigter Nachbar

Häufig im Schatten ihrer größeren und massereicheren Partnergalaxie hat auch die Kleine Magellansche Wolke (englisch: Small Magellanic Cloud, SMC) viel zu bieten. So überrascht sie etwa mit einer hohen Sternentstehungsrate – deutlich in dieser Aufnahme des National Science Foundation National Optical-Infrared Astronomy Research Laboratory (NOIRLab) von Petr Horálek in Form des blauen Leuchtens junger, heißer und massereicher Sterne zu erkennen. Ihre energiereiche Strahlung im Ultravioletten regt auch umliegendes Gas zum Leuchten an. Für das detailreiche Bild genügten dem Fotografen bereits eine Kamera und ein Teleobjektiv mit großer Blendenöffnung sowie vier Stunden in einer klaren Nacht auf dem Cerro Pachón in Chile.

Die SMC befindet sich in einer Entfernung von etwa 200 000 Lichtjahren zur Erde und ist eines der am weitesten entfernten Objekte, die noch mit dem bloßen Auge zu erkennen sind. Sie erscheint am Südhimmel im Sternbild Tukan als diffuser, nebliger Fleck. Gemeinsam mit der rund 60 000 Lichtjahre von ihr entfernten Großen Magellanschen Wolke (englisch: Large Magellanic Cloud, LMC) bildet sie ein Paar; beide sind über eine ausgedehnte Gasbrücke miteinander verbunden. Die beiden Magellanschen Wolken sind die größten der mehr als 60 Begleitgalaxien unseres Milchstraßensystems.

Ruhig war es selten um die beiden: Vor astronomisch gesehen nicht allzu langer Zeit kam es wahrscheinlich zu einem direkten Zusammenstoß, bei dem die SMC ihre geordnete Struktur und Materie einbüßte. Sie wird daher zur Gruppe der irregulären Zwerggalaxien gezählt und trägt nur noch Spuren ihrer einstigen Natur als Balkenspirale.

Aus Sicht der Astrophysik ist die SMC auch aufgrund ihrer geringen Metallizität von besonderem Wert. Sie enthält deutlich weniger schwere Elemente als die Milchstraße sowie die LMC und beherbergt mit den markanten offenen Sternhaufen NGC 346 und NGC 371 im unteren linken Bereich in der Aufnahme ausgeprägte Hotspots der Sternentstehung. In Kombination mit ihrer relativen Nähe macht sie dies zu einem wertvollen Vergleichsobjekt für die Bedingungen der frühen kosmischen Sternentstehung.

Die beiden Kugelsternhaufen NGC 104 (47 Tuc, oben links) und NGC 362 (75 Tuc, unten links) sind dagegen nicht mit der SMC assoziiert und befinden sich von der Erde aus gesehen im Vordergrund.

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