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Römisches Wrack vor Kroatien: Ein Schiff wie Pech und Schwefel

Um Schiffshüllen zu versiegeln, nutzten antike Seeleute einen pechartigen Stoff. Wo und wie oft sie ihn auftrugen, fanden Fachleute an einem fast 2200 Jahre alten Wrack heraus.
Taucher erkunden eine Unterwasser-Ausgrabungsstätte mit Holztrümmern, Amphoren und Sandsäcken auf dem Meeresboden. Über der Wasseroberfläche ist ein Boot mit mehreren Personen zu sehen. Die Szene zeigt eine archäologische Untersuchung in einem klaren, blauen Meer.

Wrack vor der kroatischen Insel Ilovik

Ohne Anstrich sind Schiffe kaum seetauglich. Das ist heute so, und das galt bereits in der römischen Antike. Woraus diese wasserdichten Beschichtungen einst bestanden, haben Fachleute an einem fast 2200 Jahre alten Schiffswrack untersucht, das 2016 vor der kroatischen Küste entdeckt wurde. An den Überresten von Ilovik-Paržine 1 dokumentierte das Team um Armelle Charrié vom Laboratory of Mass Spectrometry of Interactions and Systems in Straßburg Schichten aus Holzteer. In dem pechartigen Anstrich fand es zudem Pollen, die Hinweise darauf lieferten, wo und wie oft das Schiff repariert wurde.

Irgendwann um die Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. war Ilovik-Paržine 1 samt seiner Ladung gesunken. Teile der Schiffshülle, Scherben von Amphoren, Holzstämme und Ballaststeine überdauerten die Jahrtausende am Meeresgrund der Paržine-Bucht der Insel Ilovik, wo Archäologen das Wrack zwischen 2018 und 2022 freilegten – in etwa vier Metern Tiefe.

Wie Charrié und ihr Team in der Zeitschrift »Frontiers in Materials« berichten, war die Schiffshülle innen wie außen mit einer dicken Teerschicht eingestrichen worden. Die Fachleute nahmen zehn Proben davon und untersuchten den Stoff mithilfe verschiedener massenspektrometrischer Methoden. Das Ergebnis: Der klebrige Anstrich bestand aus Teer von Kieferngewächsen. Dafür musste Nadelholz unter Luftausschluss erhitzt und verschwelt werden. In einem Fall war der verwendete Teer mit Bienenwachs vermischt – eine Mixtur, die Plinius der Ältere in seiner Naturgeschichte aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. als die »zopissa« griechischer Schiffsbauer bezeichnete.

In den Teerproben machte sich Charriés Team auf die Suche nach weiteren Bestandteilen: in der Masse eingeschlossenen Pollen. Nicht alle Proben enthielten Pollen derselben Pflanzen; vielmehr ließen sich verschiedene Gruppen unterscheiden. Demnach war das Schiff bei vier Gelegenheiten neu bestrichen worden: Heck und Schiffsmitte trugen dieselbe Schicht; den Bug bedeckten drei unterschiedliche Anstriche. Offenbar war die Beschichtung immer wieder ausgebessert worden – in verschiedenen Häfen der Adria- und Mittelmeerregion, wie die Bestimmung der Pollen nahelegte.

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