Gute Frage: Wie entsteht ein Lachanfall?

Viele dürften sich daran erinnern: Nachrichtensprecherin Susanne Daubner rang in der »Tageschau« sichtlich um Fassung. Sie bemühte sich, die Meldungen professionell vorzutragen, doch immer wieder brach ein neues Lachen aus ihr heraus. Die Szene verbreitete sich im September 2023 rasch im Internet. Viele reagierten mit Sympathie – schließlich hat wohl jeder schon einmal gegen einen Lachanfall angekämpft.
Lachen ist eine unserer ursprünglichsten Ausdrucksformen. Es entstand früh in der Evolution. Einige Primatenarten, etwa Schimpansen oder Bonobos, und sogar Ratten geben beim Spielen oder, wenn man sie kitzelt, Laute von sich, die an menschliches Lachen erinnern. Und Kleinkinder lachen lange, bevor sie zu sprechen beginnen.
Die neuronale Grundlage des Lachens bilden tief im Gehirn liegende Schaltkreise. Entsprechende Reize aktivieren unter anderem Strukturen im limbischen System, die den Körper auf emotionale Reaktionen vorbereiten. Verbindungen zum Hirnstamm steuern Gesichtsmuskulatur, Atmung und Stimmapparat an, und es kommt zu den typischen Verhaltensweisen: Wir lächeln, kichern – oder lachen so heftig, dass uns die Tränen kommen.
Meist entscheiden wir uns nicht bewusst, ob wir lachen. Es geschieht ganz automatisch. Dennoch können wir ein aufkommendes Lachen in der Regel willentlich unterdrücken. Dann schaltet sich der vordere Bereich der Großhirnrinde ein, der an der Impulskontrolle beteiligt ist, und dämpft die Signale aus den tiefer liegenden Hirnregionen. Statt in schallendes Gelächter auszubrechen, schmunzeln wir dann vielleicht nur.
Ein Blick genügt, um loszuprusten
Aber warum verlieren wir manchmal die Kontrolle – und das fast immer ausgerechnet in völlig unpassenden Momenten, beispielsweise im Theater oder während einer feierlichen Zeremonie? Unser Gehirn verarbeitet fortwährend Reize, die unterschiedliche Emotionen auslösen, etwa Freude, Wut, Angst oder Trauer. Sind diese Gefühle besonders intensiv, steigt die allgemeine Erregung in Netzwerken für emotionalen Ausdruck. Dann genügt ein kleiner zusätzlicher Reiz – etwa ein Gedanke oder Blickkontakt – und scheinbar grundlos prusten wir los. Deshalb passiert es, dass Menschen während einer Trauerfeier lachen oder sogar wenn sie Opfer eines Überfalls werden. Wer übermüdet ist, ist besonders anfällig. Das Großhirn ist dann erst recht nicht mehr in der Lage, hemmend einzugreifen.
Ähnlich kann es Menschen ergehen, die vor Publikum sprechen. Bei einem Vortrag steuern wir den Stimmapparat sehr bewusst an, um Wörter und Sätze zu bilden. Gleichzeitig springt aber auch der unwillkürlich kontrollierte Schaltkreis an, eine Art Alarmmodus, da nun Bewertung, Status und eine mögliche Blamage im Raum stehen. Ein kleiner Auslöser genügt, und das Lachen bricht hervor. So verlor der CDU-Landtagsabgeordnete Michael Scheffler im Parlament von Sachsen-Anhalt die Fassung, nachdem jemand im Vorbeigehen gegen sein Rednerpult gestoßen war. Und der Schweizer Politiker Hans-Rudolf Merz brach während einer Rede über Importvorschriften für gewürztes Fleisch in Gelächter aus – die sperrige Bürokratiesprache brachte ihn aus dem Konzept.
Warum aber bricht das Lachen oft erneut hervor, obwohl man sich kurzzeitig noch mal fangen konnte? Dieser Frage sind mein Team und ich gemeinsam mit Forschenden vom Universitätsklinikum Greifswald mittels funktioneller Magnetresonanztomografie nachgegangen. Wir haben Freiwillige gekitzelt und dazu aufgefordert, trotz des Lachimpulses normal weiterzusprechen. Dabei zeigte sich: Ihr Schaltkreis fürs Lachen war noch nicht vollständig heruntergefahren. Vor allem die Nervenzellen, die den Stimmapparat steuern, blieben aktiv. Setzten die Teilnehmenden nun zum Sprechen an, steuerte der Kortex genau diese Neurone an – und damit dieselben motorischen Bahnen, über die Lachlaute entstehen. Und so gewann das Lachen wieder die Oberhand.
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