Springers Einwürfe: Markt und Staat im Klimawandel

Selbst hartnäckige Leugner des Klimawandels müssen auf ihn reagieren. Die US-Regierung bezeichnet zwar das ganze Phänomen offiziell als lächerlich, zugleich will sie aber die Seewege der Arktis kontrollieren, die infolge der Erderwärmung demnächst schiffbar werden. Die neue Realität zwingt zur Anpassung – aber wie geht das?
Der Staat kann Gesetze erlassen, um die Emission schädlicher Treibhausgase zu begrenzen. Solche Maßnahmen wirken auf das individuelle Verhalten aber nur indirekt, etwa über die Bepreisung von fossilen Kraftstoffen. Neben dem Staat erweist sich der Markt als zentraler Akteur der Klimapolitik; sie muss das Spiel von Angebot und Nachfrage beherrschen, um Wirkung zu erzielen.
Ein im Sinne des Umweltschutzes effizienter Markt setzt einschlägig informierte Teilnehmer voraus. Das bürdet der Politik die Pflicht auf, umfassend über Klimarisiken aufzuklären, damit die Kunden beispielsweise nicht überteuerte Immobilien in überschwemmungsgefährdeten Gebieten kaufen. Umgekehrt soll der Staat den Eingriff in den Markt abstellen, wenn er – etwa durch Subventionierung fossiler Energieträger – der Umwelt schadet.
Anhand solcher Beispiele illustriert ein Team um die Umweltökonomen Simon Greenhill und Solomon Hsiang von der kalifornischen Stanford University, wie sich die Politik wirtschaftliche Mechanismen zunutze machen kann. Dabei reicht es nicht aus, vorhandene Märkte ökologisch zu beeinflussen. Zusätzlich gilt es, wo eine klimafreundliche Nachfrage bisher gefehlt hat, diese extra zu erschaffen.
Angesichts der Erderwärmung ist es zum Beispiel nötig, hitzebeständige Varianten der Sorghumhirse zu züchten. Man schätzt, dass deren Einführung in Ostafrika je nach Umfang einen wirtschaftlichen Vorteil zwischen 850 Millionen und 2,5 Milliarden US-Dollar einbrächte.
Angebot und Nachfrage in Zeiten des Klimawandels
Doch vorderhand existiert dafür kein Markt. Die möglichen Anbieter scheuen das Risiko und investieren nicht in die nötigen Kosten von Forschung und Entwicklung. Die potenziellen Käufer – oft Kleinbauern – werden mit einem unerprobten Produkt konfrontiert, das noch nicht einmal existiert; also fehlt die Nachfrage.
Damit hier ein Markt entsteht, muss sich ein dritter Partner engagieren, der auf den künftigen Erfolg der Innovation zählt. Öffentliche oder potente private Geldgeber können solche »fortschrittlichen Marktverpflichtungen« (advanced market commitments) eingehen.
Ähnliches gilt für viele ökologische Maßnahmen, welche die Wirtschaftskraft einzelner Akteure überstrapazieren. In Erwartung gehäufter Umweltkatastrophen helfen neuartige Finanzinstrumente mehreren Staaten, sich gemeinsam gegen Klimarisiken zu versichern. Bei transnational folgenreichen Flussregulierungen und Dammbauten kann ein künstlicher Wassermarkt dafür sorgen, dass sich die Vorteile am Oberlauf mit den Nachteilen am Unterlauf finanziell ausgleichen lassen.
Wo Märkte komplett fehlen, ist ein Anstoß durch die öffentliche Hand unerlässlich. Wenn Angebot und Nachfrage ökologisch fehlsteuern, sollte der Staat eingreifen. Im Idealfall genügt ein Schubs, und der Markt regelt sich künftig umweltfreundlicher.
Doch zumeist ist mehr erforderlich. So kommt in der Agrarwirtschaft deren private Forschung und Entwicklung vorwiegend den großen Industrieländern zugute. Dies verschärft automatisch den Abstand zu den ärmeren Staaten – ganz ohne böse Absicht, wie von selbst. Dagegen hilft nur gezielte Förderung der Agrarforschung in Entwicklungsländern.
Die Beispiele zeigen: Wie gut und preiswert die Anpassung an den Klimawandel gelingt, hängt vom umweltpolitischen Zusammenspiel zwischen Markt und Staat ab.
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