Kompaktlexikon der Biologie: Weinbergschnecke
Weinbergschnecke, Helix pomatia, Art der Landlungenschnecken (Stylommatophora) mit rundlichem Gehäuse von bis 4 cm Durchmesser aus festwandigen, rasch anwachsenden Umgängen, mit unregelmäßigen Zuwachsstreifen und bis zu fünf dunkelbraunen Spiralbändern; der Mündungsrand ist bei alten W. erweitert und wulstig verdickt, der Nabel ganz oder teilweise bedeckt. W. bevorzugen kalkhaltige Böden in wärmeren Gegenden, wo sie in lichten Wäldern und Gebüsch von Kräutern leben. Die zwittrigen Tiere kopulieren im Mai bis August nach einem Vorspiel, in dessen Verlauf ein spitzer Kalkkörper (Liebespfeil) in den Fuß des Partners gestoßen wird. Anschließend wird wechselseitig eine Spermatophore übertragen. Sechs bis acht Wochen nach der Paarung werden ca. 50 kalkschalige Eier von 5 mm Durchmesser in eine selbstgegrabene Erdhöhle abgelegt und nach drei bis vier Wochen schlüpfen kriechend die Jungschnecken. Im Winter und in sommerlichen Trockenzeiten wird das Gehäuse durch einen kalkigen Deckel (Epiphragma) verschlossen. W. sind eine geschätzte Delikatesse, die seit Jahrhunderten gesammelt, in „Schneckengärten“ gefüttert und besonders zur Fastenzeit verkauft wird. In den Handel kommen die aktiven Tiere („Kriecher“) und die Ruhestadien („Deckelschnecken“). Die einheimische W. ist durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt, doch kann das Sammeln von Weinbergschnecken mit einem Gehäusedurchmesser über 3 cm zwischen dem 1.April und dem 15.Juni zugelassen werden. Als Ersatz werden zunehmend süd- und osteuropäische Weinbergschnecken importiert.
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