Lexikon der Biologie: Meeresschildkröten
Meeresschildkröten, Cheloniidae, Familie der Halsberger-Schildkröten mit 6, recht ähnlichen Arten in 4 Gattungen ( ö vgl. Tab. ), die in allen wärmeren Meereszonen beheimatet sind; von Meeresströmungen verdriftet, gelangen sie bei ihren oft weiten Wanderungen zum Teil bis zu den europäischen Atlantikküsten; 3 Arten regelmäßig im Mittelmeer; ausschließlich Meeresbewohner, gehen nur zur Eiablage an Land – die Männchen nie, da die Begattung im Wasser stattfindet. Panzer (Länge bis 1,4 m) annäherungsweise tropfenförmig, oberseits stark abgeflacht; massiger Kopf und Extremitäten (zu breiten Flossen umgebildet; ö vgl. Abb. ) lassen sich kaum in ihn zurückziehen; Vordergliedmaßen im Gegensatz zu den Süßwasserformen stets stärker entwickelt; Rücken- (Rippenenden treten frei hervor) und Bauchpanzer (einzelne, verkleinerte Knochenplatten durch breite Knorpelabschnitte verbunden) von großen, symmetrisch angeordneten Hornschilden bedeckt; beide beiderseits durch eine „Brücke“ aus Bindegewebe und Haut mit je einer vollständigen Längsreihe von Unterrand- oder Zwischenschilden (Inframarginalia) getrennt; große, seitlich stehende Augen weit vorn am Kopf und kleine, nach oben gerichtete Nasenlöcher. Weibchen legen jeweils 50–200 weichschalige Eier jeweils an den gleichen, wahrscheinlich dem Geburtsort entsprechenden Stränden in selbstgegrabene, tiefe Sandlöcher ab; das Ausbrüten wird der Bodenwärme überlassen; Jungtiere (4–5 cm lang) gehen sofort nach dem Schlüpfen ins Wasser. Durch rücksichtslose Verfolgung durch den Menschen sind inzwischen einige Arten stark existenzgefährdet. Das gilt besonders für die bis 450 kg schwere und bis 1,4 m lange Suppenschildkröte (Chelonia mydas; Nordamerika VII); sie ist in verschiedenen Tiefen der offenen See, aber auch in Küstennähe bzw. Flußmündungen anzutreffen; mit 1 Unterart im Atlantischen und Indopazifischen Ozean und einer weiteren im Ostpazifik. Rückenpanzer olivgrün bis graubraun mit hellen Flecken; sie ernährt sich von Tieren und Meerespflanzen; bis zu 5 Gelege von jeweils 75–150 Eiern in Abständen von 14 Tagen in jeder Fortpflanzungsperiode etwa alle 3 Jahre; sehr schmackhaftes Fleisch, die Knorpelsubstanz wird zu Suppe verarbeitet, auch die Eier gelten als Delikatesse (in der BR Deutschland besteht Importverbot). Die ziemlich angriffslustige Bastardschildkröte (Lepidochelys kempii; Panzerlänge bis 75 cm) bevorzugt Buchten im Küstenverlauf, besonders im Golf von Mexiko, aber auch in wärmeren Zonen des Atlantiks lebend; Rückenpanzer breit, olivgrün bis dunkelgrau; ernährt sich von Arthropoden; Fleisch kaum genießbar. Häufigste Schildkröte im Mittelmeer ist die weltweit in wärmeren Meeren verbreitete Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta; Panzerlänge ca. 1 m, Gewicht bis 360 kg); bevorzugt die offene See, aber oft auch in stillen Brackwasserzonen; Kopf dick, mit mächtigen Kiefern; Rückenpanzer hinten nicht schindelartig überdacht, meist rötlichbraun; ernährt sich vor allem von größeren Krebstieren, Muscheln und Stachelhäutern; sie vergräbt jährlich 2–3 Gelege von jeweils etwa 100 Eiern in den Dünen oder an Stränden oberhalb der Flutlinie; davon werden viele vor allem vom Menschen wieder ausgegraben und als Delikatessen verzehrt. Die ebenfalls angriffsfreudige Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata; Panzerlänge bis 90 cm; ö vgl. Abb. ) bewohnt vor allem sandige und seichte Küstenregionen in den tropischen Zonen des Atlantiks, Pazifiks und Indischen Ozeans; Kopf länglich mit stark hakenförmig gekrümmtem Oberkiefer; dunkelbrauner Rückenpanzer mit schöner, gelblich flammiger Zeichnung, bei jungen Tieren schindelförmig übereinandergreifend; verzehrt neben pflanzlicher Beikost vor allem Weichtiere, Fische, Seeigel; wird als einzige Schildkröte besonders wegen ihrer Hornschilde (Schildpatt oder Krot) bejagt; dadurch stellenweise selten geworden. Homologie und Funktionswechsel .
H.S./T.J.
Meeresschildkröten
1 Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata),2 eine zu einer breiten Flosse umgebildete Extremität
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