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Die Stimme. Instrument für Sprache, Gesang und Gefühl

Springer, Berlin und Heidelberg 1995.
192 Seiten, DM 29,80.

Die Funktionsweise der menschlichen Stimmgebung aus ihren biophysikalischen und medizinischen Grundlagen heraus verständlich zu machen, ohne den physikalischen Formelapparat und die medizinische Terminologie allzusehr zu strapazieren, ist erklärtes Ziel der Autoren des Buches. Leopold Mathelitsch, außerordentlicher Professor am Institut für Theoretische Physik in Graz, und Gerhard Friedrich, Leiter der Abteilung für Phoniatrie (Stimm- und Sprachheilkunde) an der Hals-Nasen-Ohren-Universitätsklinik Graz, haben sich dieser Aufgabe, die der Quadratur des Kreises nahekommt, mit bewundernswertem Gespür für die Grenzen eines solchen Herangehens unterzogen.

Im Hauptteil des Werkes werden die Elemente der Stimmbildung, nämlich Atmung, Kehlkopf, Artikulationsräume und Steuerungsmechanismen erläutert. Im Bemühen um Allgemeinverständlichkeit unterlaufen dabei jedoch Ungenauigkeiten. So wird auf Seite 25 der Unterschied zwischen Stimmlippen und Stimmbändern erläutert, im folgenden (etwa auf den Seiten 32 und 35) werden diese Begriffe jedoch offenbar synonym verwendet.

Der didaktisch gelungenen Erläuterung der Entstehung von Stimm- und Sprachlauten folgt ein Abschnitt, der die Entwicklung der Stimmfunktion in verschiedenen Lebensaltern beschreibt. In einem Kapitel über die kranke Stimme gelingt es den Autoren, in sehr flüssiger und sprachlich eleganter Form wesentliche Zusammenhänge zwischen Krankheitssymptomen, den damit korrelierten akustischen Phänomenen und der medizinischen Behandlung von stimmgestörten Patienten darzustellen. Daß auf Seite 96 die "erfolgreiche Therapie" vor jeder Diagnostik steht, ist wohl auf verunglückten Satzbau zurückzuführen.

Ein eigenes Kapitel ist der Singstimme gewidmet. Der potentielle Leserkreis des Buches erweitert sich damit um Sänger und Gesangspädagogen. In verständlicher Form werden hier bekannte Eigenschaften der künstlerisch ausgebildeten Gesangsstimme unter akustischen Aspekten diskutiert. Ein Anhang, der einerseits physikalische Grundbegriffe erklärt, andererseits Erläuterungen zur medizinischen Terminologie macht, rundet das Buch ab.

Das Werk ist eine gelungene Symbiose von populärwissenschaftlicher Kenntnisvermittlung und naturwissenschaftlicher Exaktheit. Eingestreute historische Bezüge und Bemerkungen zu stimmlichen Kuriosa wie Bauchreden und Jodeln lockern den naturgemäß streckenweise etwas spröden Stoff in gut dosierter Weise auf. Jedem interessierten Laien kann das Buch ohne Einschränkung empfohlen werden.



Aus: Spektrum der Wissenschaft 5 / 1996, Seite 128
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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