Klinische Studie: Antikörper-Test gegen HIV verläuft viel versprechend
Wenn das eigene Immunsystem gegenüber dem Eindringling machtlos ist, hilft es vielleicht, die benötigten spezialisierten Antikörper von außen zuzufügen. Dieser Überlegung folgt eine Therapie gegen HIV, die sich jetzt in einem Test an Menschen als viel versprechend erwiesen hat: Eine einmalige Injektion der Abwehrmoleküle reduzierte die Virenlast im Körper erkrankter Probanden teils erheblich.
Bei einzelnen Versuchspersonen sei sie um das 250-Fache zurückgegangen, bei anderen um das Achtfache, berichten die Wissenschaftler um Michel Nussenzweig von der Rockefeller University in New York. Allerdings nahm die Wirkung der Antikörper im Verlauf des 28-tägigen Untersuchungszeitraums teilweise stark ab.
Die Ergebnisse seien dennoch ein "Meilenstein" und "beeindruckend", kommentiert der Direktor des US National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda, US-Bundesstaat Maryland.
Getestet wurden verschiedene Dosierungen des Antikörpers 3BNC117 an insgesamt 29 Probanden in den USA und Deutschland. Davon waren 17 an HIV erkrankt.
Vergleichbare Versuche hätten bisher bei menschlichen Versuchspersonen weniger zufrieden stellende Ergebnisse gebracht, erläutert "Nature". Im Unterschied zu früheren Antikörpern verfüge 3BNC117 jedoch über ein breiteres Wirkungsspektrum, das ihm erlaube, unterschiedliche HIV-Stämme anzugreifen. Das Nachlassen seiner Effektivität erklären sich die Wissenschaftler damit, dass die Viren im Körper der Probanden mutierten und so schließlich doch dem Antikörper entgingen.
Ziel der Forscher ist es daher, die Wirkungsdauer noch deutlich zu verlängern und unterschiedliche Antikörper miteinander zu kombinieren, um das Virus auf möglichst breiter Front angreifen zu können. Nussenzweig hofft, eine Art Impfung entwickeln zu können, die jährlich verabreicht wird und zur Vorbeugung dient; bereits Erkrankte sollen hingegen mit einer Kombination aus Antikörpertherapie und weiteren Ansätzen behandelt werden. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass eine solche Intervention mit hohen Kosten verbunden sein dürfte. Fraglich ist daher, ob sie für Menschen in einkommensschwachen Ländern, in denen Aids besonders stark verbreitet ist, verfügbar sein wird.
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