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Antikes Silphium: Das angeblich aphrodisierende Gewächs, das die Römer ausrotteten

Medizin, Gewürz, Verhütungsmittel – und Aphrodisiakum? Die Menschen der Antike setzten die Heilpflanze Silphium für viele Zwecke ein. Dem Kraut wurde das zum Verhängnis.
Eine klassische Gemäldeszene zeigt eine Gruppe von Menschen in einer antiken Umgebung, die an einem Bankett teilnimmt. Im Zentrum liegt eine Frau in einem weißen Gewand auf einer Couch, umgeben von anderen Personen, die in lebhaften Gesprächen vertieft sind. Im Hintergrund steht eine große Statue, die die Szene überblickt. Die Architektur ist von Säulen und Skulpturen geprägt, die den antiken Stil unterstreichen. Blumen und Früchte schmücken den Vordergrund, was auf eine festliche Atmosphäre hinweist.
Aphrodisiaka könnten bei römischen Festen eine Rolle gespielt haben. Dieses Bild wäre aber keine verlässliche Quelle. »Die Römer der Verfallszeit« schuf der französische Maler Thomas Couture im Jahr 1847.

Angeblich hütete der römische Feldherr Julius Cäsar einen Vorrat davon in der Staatskasse. Der antike Schriftsteller Plinius der Ältere berichtet, Kaiser Nero habe den letzten Stängel davon besessen. Und manche vermuten: Der in den elitären Kreisen Roms grassierende Hang zu außerehelichem Sex habe dazu geführt, dass die Nachfrage das Angebot übertraf und es letztlich ausstarb.

Wovon ist hier die Rede?

Es geht um Silphium, eine verschwundene Wildpflanze, die einst im heutigen Libyen wuchs. Sie wurde zur Empfängnisverhütung und zur Abtreibung, als Medizin, Gewürz, Parfüm und als Futterzusatz für Nutztiere verwendet. Ihre besonderen Eigenschaften machten sie zu einem der kostbarsten Handelsgüter der griechisch-römischen Antike.

Dann, eines Tages, verschwand sie.

Ein Harz mit vielen Wirkungen

Heutzutage wird Silphium oft als Aphrodisiakum beschrieben, obwohl keine antike Quelle diese Eigenschaft bestätigt. Einige der frühesten Darstellungen von Silphium zeigen die herzförmige Samenkapsel der Pflanze – und möglicherweise ist das der Ursprung für diese gedankliche Verknüpfung.

Samenkapsel | Diese Münze aus der Zeit von 500 bis 480 v. Chr. zeigt die Frucht der Silphium-Pflanze. Die Herzform der Samenkapsel führte moderne Betrachter vielleicht auf die falsche Fährte: Sie leiteten daraus ab, die Menschen der Antike hätten Silphium als Aphrodisiakum eingenommen.

Ausgehend von Bildern auf Münzen und Figuren vermuteten moderne Botaniker, dass Silphium mit den heutigen wilden Riesenfencheln (aus der Gattung Ferula) verwandt war. (Es besteht jedoch keine Verwandtschaft mit Pflanzen der nordamerikanischen Gattung Silphium, zu der etwa die Kompasspflanze und das Ungeteilte Harzkraut gehören.) Von Silphium gibt es Darstellungen neben Gazellen (ein anderes Handelsgut aus Libyen), die nahelegen, dass die Stängel der antiken Pflanze schätzungsweise 30 Zentimeter hoch gewesen sind. Aus den Stängeln und aus den Wurzeln gewann man ein Harz, das in Mehl eingelegt haltbar gemacht wurde. Das ermöglichte seinen Transport von Libyen in ferne Regionen.

Die Römer nannten dieses Harz »laser« oder »laserpicium«. Das beste »laserpicium« extrahierte man aus der Wurzel, aus dem Stängel konnte man aber auch ein Harz minderer Güte gewinnen.

Vor den Römern nutzten bereits die Griechen das Silphium. In manchen Regionen Libyens war es so bedeutend für die lokale Wirtschaft, dass es dort häufig als Bildmotiv auf Münzen diente. Offenbar sammelten die Griechen das Silphium nicht selbst; sie erhielten es als Abgabe von libyschen Stämmen, die in seinem Verbreitungsgebiet lebten und es verstanden, das Gewächs zu ernten und zu verarbeiten.

Die Griechen in diesem Gebiet machten sich das indigene Wissen wirtschaftlich zunutze und beuteten es aus, um einen Markt für das Produkt zu schaffen und ihn zu bedienen. Diese Vorgehensweise, das lokale Wissen indigener Gemeinschaften anzuzapfen und daraus Profite zu erzielen, ist auch heute noch ein Merkmal der globalisierten Wirtschaft.

Nahrung als Medizin

In antiken medizinischen Schriften wird Silphium oft erwähnt, und wurde offenbar häufig mit dem Essen verabreicht. Der Unterschied zwischen Nahrung und Medizin war in der Antike nicht so eindeutig wie heute; Heilmittel wurden meist einfachen Gerichten wie Linsenbrei beigemischt.

Münze aus Kyrene | Die griechische Kolonialstadt Kyrene, deren Überreste im heutigen Libyen liegen, bildete oftmals die Silphium-Pflanze auf ihren Münzen ab – wie im Fall dieses Exemplars aus der Zeit von etwa 435 bis 375 v. Chr.

In der antiken griechisch-römischen Medizin galt Silphium als »windtreibende« Speise, die den Körper von krank machenden Blockaden befreien sollte. »Windtreibende« oder »durchlüftende« Speisen, so glaubte man, konnten eine Schwangerschaft verhindern oder zu einer Fehlgeburt führen (je nach Zeitpunkt der Einnahme).

Soranos von Ephesos beschreibt in seinem vierbändigen gynäkologischen Werk aus dem 1. bis 2. Jahrhundert, dass verschiedene geschmacksintensive Kräuter und Gewürze (darunter Silphium) mit Wein oder einfachen Speisen gemischt werden konnten – zur oralen Empfängnisverhütung. Er weist auch darauf hin, dass orale Verhütungsmittel öfter Magenbeschwerden verursachen.

Zur Vorbeugung empfiehlt Soranos, den Gebärmutterhals mit Substanzen einzureiben, wie altem Olivenöl, Honig, Harz, Balsam, Bleiweiß, Myrtenöl, angefeuchtetem Alaun, Galbanharz (einem mit Silphium verwandten Stoff, der in Parfüms verwendet wurde) und einem Strang feiner Wolle. Diese Mittel waren keine Medikamente, konnten aber durch ihre antibiotischen oder samenabtötenden Eigenschaften, oder weil sie eine physische Barriere bildeten, die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis verringern.

Schriften heranzuziehen, die vor allem Männer verfasst haben, um nach Belegen für Frauenmedizin zu suchen, ist natürlich problematisch. Höchstwahrscheinlich wurde das Wissen über Schwangerschaften, Verhütung und Abtreibung zwischen Frauen weitergegeben – und vieles davon fand nicht Eingang in die überlieferten medizinischen Texte der Antike.

Wir haben keinen Nachweis dafür, dass Silphium als Verhütungs- oder Abtreibungsmittel wirkte – auch weil wir keines mehr haben, um das zu überprüfen.

Ein ungelöstes Rätsel

Silphium konnte nicht angebaut werden, und deshalb war der Nachschub begrenzt. Sein finanzieller Wert (und die staatliche Kontrolle darüber) scheinen zu Konflikten in der Bevölkerung geführt zu haben. In römischer Zeit gab es jedenfalls Berichte über Zerstörungen und über ansässige Bauern, die ihre Tiere Silphium fressen ließen.

Klimaveränderungen und Wüstenbildung an der nordafrikanischen Küste könnten zum Aussterben der Pflanze beigetragen haben. Während die Römer glaubten, Silphium sei im 1. Jahrhundert n. Chr. ausgestorben, wurde es möglicherweise noch bis ins 5. Jahrhundert im lokalen Umfeld weiterhin genutzt.

Es gab zahlreiche Versuche, verbliebene Verbreitungsgebiete von Silphium zu identifizieren, doch bisher konnten sich Fachleute auf keines der noch existierenden Gewächse einigen. Silphium war möglicherweise eine hybride Pflanze, die sich ungeschlechtlich vermehrte (das dürfte den Anbau erschwert und sie anfällig gemacht haben).

Im Jahr 2021 wurde im Umfeld früherer griechischer Siedlungen in Anatolien (heutige Türkei) eine neue Art des Riesenfenchels (Ferula drudeana) entdeckt. Diese Pflanze ähnelt sehr den antiken Darstellungen von Silphium; möglicherweise waren Samen aus Libyen nach Anatolien gelangt und haben dort bis heute überlebt.

Aber solange wir keinen Nachweis von Samen des antiken Silphiums in sicher datierten archäologischen Kontexten finden, lässt sich diese These nicht überprüfen.

Im Mittelmeerraum und in den angrenzenden Regionen kommen viele Arten des Riesenfenchels vor. Weil in den Medien aber häufig unzutreffend über deren angeblich aphrodisierende Wirkung (vor allem, um Erektionsstörungen zu behandeln) berichtet wird, wächst die Sorge im Naturschutz, dass die Pflanzen auch heutzutage übernutzt werden.

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  • Quellen

Cartledge, P., Christesen, P. (Hg.), The Oxford History of the Archaic Greek World IV, 2025

Koerper, H., Kolls, A., Economic Botany 10.2307/4256173, 1999

Miski, M., Plants 10.3390/plants10010102, 2021

Parejko, K., Conservation Biology 10.1046/j.1523–1739.2003.02067.x, 2003

Totelin, L., Journal of Ethnopharmacology 10.1016/j.jep.2014.08.018, 2015

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