Exitus mit Folgen: Ausgestorbene Riesen prägen Ökosysteme bis heute

Mammut, Säbelzahntiger, Höhlenbär: Der Untergang der Giganten ist noch gar nicht so lange her, und seine Folgen prägen bis heute ganze Kontinente. Das Verschwinden der großen Säugetiere in der Zeit von 50 000 bis 10 000 Jahren vor heute löste weitreichende Kettenreaktionen in den Nahrungsnetzen der Ökosysteme aus. Die Folgen dieses Aussterbeschocks seien bis heute in der Umwelt erkennbar, berichtet nun ein Forschungsteam um Chia Hsieh von der Michigan State University. Dabei seien jedoch die Kontinente sehr ungleich betroffen, berichtet die Arbeitsgruppe in der Fachzeitschrift »PNAS«. In den Tropen Mittel- und Südamerikas seien nicht nur die Verluste großer Tiere besonders hoch, sondern auch deren Folgen besonders deutlich erkennbar.
Wenn eine Tierart ausstirbt, dann ist nicht nur diese eine Kreatur futsch, auch ihre Wechselbeziehungen zu anderen Organismen reißen ab. Betroffen sind nicht nur Räuber oder Beute, sondern zum Beispiel auch Arten, die in den von den Großsäugern geformten offenen Landschaften lebten, oder gar Pflanzen, deren Samen von Tieren verbreitet werden. Die dadurch ausgelösten Veränderungen beeinflussen wiederum weitere Arten und so weiter. Die Fachleute analysierten für die Studie Räuber-Beute-Beziehungen an 389 Orten in den amerikanischen, afrikanischen und asiatischen Tropen. Alle drei Regionen verloren am Ende der letzten Vereisungsperiode große Säugetiere – das allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Während drei Viertel der amerikanischen Großsäuger ausstarben, waren die Verluste in Afrika gering, und in Asien starben vor allem Raubtiere aus.
Die drei Regionen unterscheiden sich auch klimatisch und geografisch deutlich, was ebenfalls einen Einfluss auf die Tierwelt hat. Dennoch sind die Fachleute der Ansicht, den Effekt des Jahrtausende zurückliegenden Aussterbens bis heute nachweisen zu können. In den amerikanischen Tropen verschwanden vor allem große und mittelgroße Pflanzenfresser; große Raubtiere wie Säbelzahntiger hingen dadurch praktisch in der Luft und starben ebenfalls aus. Dadurch sind dort bis heute die verbleibenden Raubtiere recht klein und ernähren sich alle von einigen wenigen Beutearten. In Afrika dagegen gibt es noch deutlich mehr große Pflanzenfresser, die räuberische Generalisten ernähren. Außerdem beobachtete das Team, dass sich Raubtiere auf allen Kontinenten bisher nicht vollständig an die veränderten Nahrungsnetze angepasst haben.
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