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News: Eine Nadel im ...

Mit Hilfe des Weltraumteleskops Hubble und des Zehn-Meter-Keck-Teleskops auf Hawaii entdeckten Astronomen eine unsymmetrische Scheibe aus Gesteinsbrocken und Staub um den jungen Stern HD 15115.
Scheiben um junge Sterne entstehen bei der Kollision von größeren Gesteinsfragmenten während ihres Umlaufs um ihr Zentralgestirn. Bei dem von Astronomen beobachteten Stern HD 15115 erscheint die Scheibe wie eine überdimensionale Nadel, die in dem Stern steckt. Dieser Eindruck entsteht, weil wir von der Erde aus auf den Rand der Scheibe blicken.

Auffällig ist die Asymmetrie der Scheibe: Die "Nadel" ragt nicht auf beiden Seiten zu gleichen Teilen aus HD 15115 heraus. Deshalb gehen die Wissenschaftler davon aus, dass sich der Staub auf einer stark elliptischen Umlaufbahn um den Stern bewegt. Möglicherweise ist hierfür der gravitative Einfluss eines oder mehrerer Planeten verantwortlich. Auch die Schwerkraftwirkung eines nahen Nachbarsterns könnte diesen Effekt verursachen.

Paul Kalas, James Graham und P. Fitzgerald von der Universität Kalifornien veröffentlichten ihre Entdeckung in den Astrophysical Journal Letters. "Die Beschreibung dieser außergewöhnlichen Scheibe ist eine Herausforderung für die theoretische Astrophysik", so Kalas.

Möglicherweise spielen sich in der Umgebung von HD 15115 ähnliche Vorgänge ab, wie in der Frühzeit unseres Sonnensystems, dessen äußerster Planet heute Neptun ist. Einigen Theorien zufolge bildete er sich zwischen Saturn und Uranus und wurde dann durch die Schwerkraftwirkung seiner Nachbarplaneten aus seiner Bahn geworfen. Solche Umbrüche in der planetaren Struktur könnten die Asymmetrie einer Staubscheibe verursachen. Die Forscher halten es für denkbar, dass bei HD 15115 große Planeten in gravitativer Wechselwirkung miteinander standen, wobei einer von ihnen in eine stark elliptische Bahn abgelenkt wurde. Dieser Planet verformte dann die Staubscheibe.

Die Astronomen untersuchen derzeit, ob auch die Gravitation des Sterns HIP 12545, der sich in nur zehn Lichtjahren Entfernung von HD 15115 befindet, die Scheibe verformt haben könnte.

Die außergewöhnliche Scheibe wurde bereits im Jahr 2000 bei erdgebundenen Beobachtungen im infraroten Wellenlängenbereich entdeckt. Im Jahr 2006 fing das Weltraumteleskop Hubble das von der Scheibe reflektierte Licht ein und bestätigte so die vorausgegangene Entdeckung. Mit dem Keck-Teleskop und dessen adaptiver Optik, welche die Luftunruhe unserer Atmosphäre ausgleicht, wird die Umgebung von HD 15115 seitdem weiter erkundet.

"Die Scheibe tauchte in den Daten von Hubble auf, doch war die Erscheinung so ungewöhnlich, dass wir sie zunächst nicht für möglich hielten. Erst als wir sie auch mit dem Keck-Teleskop identifizierten war uns klar, dass es sich um eine reale Scheibe handelt", so Kalas.

AK

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