Evolution: Skorpione besitzen eisenverstärkte Waffen

Skorpione gehören zu den ältesten Landtieren der Erde und haben über die letzten gut 430 Millionen Jahre fast alle Lebensräume der Erde besiedelt und zahlreiche Anpassungen an ihre Umwelt entwickelt. Dazu gehören auch metallverstärkte Stachel und Klauen, wie eine Arbeitsgruppe um Sam Campbell von der University of Queensland in Brisbane herausgefunden hat. Viele Skorpionarten lagern demnach Metalle wie Zink, Mangan und Eisen in ihrem Exoskelett ein, um es zusätzlich zu verstärken. Das helfe ihnen wahrscheinlich dabei, die Panzer ihrer bevorzugten Beute leichter zu durchdringen, ohne dabei Schäden befürchten zu müssen, schreiben die Wissenschaftler.
Für ihre Studie hatten Campbell und Co 18 Skorpionarten aus verschiedenen Familien und mit unterschiedlichen Jagdstrategien mithilfe von Elektronenmikroskopie und Röntgenstrukturanalyse untersucht. Sie wollten damit feststellen, ob Metallstrukturen bei den Gliederfüßern generell verbreitet sind und ob sie eher in den Stacheln oder den Klauen vorkommen. Tatsächlich sind die Metalle nicht gleichmäßig verteilt. So verstärkt Zink vor allem die nadelfeine äußerste Spitze der Stacheln und stabilisiert diese so gut, dass sie beim Einsatz nicht gleich abbricht. Unterhalb davon findet sich vor allem Mangan, das zusätzliche Stabilität in die Waffe bringt.
Bei den Scheren sammeln sich die Metalle ebenfalls vor allem im Kontaktbereich zu Opfern oder Feinden an: Entlang der Schneiden sorgt Zink oder eine Kombination aus Zink und Eisen für eine zusätzliche Panzerung. Das vor allem in jenen Bereichen, die den größten Belastungen ausgesetzt sind, wenn die Skorpione mit den Klauen zuschnappen.
Die spezifische Verteilung der Metalle weist einen engen Zusammenhang zu den individuellen Jagdstrategien auf: Arten, die bevorzugt mit ihrem Stachel Beute erlegen, lagern gerade hier konzentriert Metalle ein und »vernachlässigen« dafür die Klauen. Wer dagegen die Klauen zur Jagd und Verteidigung einsetzt, stärkt überwiegend diese mit den Metallgerüsten. Das spiegelt sich auch in den Größen der Waffen wider: Je nach bevorzugter Methode besitzen die Skorpione oft größere Stachel oder größere Klauen. Gegen uns Menschen richten sie diese Mittel jedoch nur im Notfall, etwa wenn sie sich bedroht fühlen oder wir versehentlich auf sie treten oder sie berühren. Üblicherweise machen die Tiere Jagd auf andere Gliederfüßer, deren hartes Exoskelett aus Chitin sie durchdringen müssen.
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