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Biologie: Flexible Falter

auffällige Farbzeichnung eines Grammia virgo
Bärenspinner produzieren Stoffe, die ihren Fressfeinden den Appetit verderben, ja für einige sogar giftig sind. Diesen Umstand müssen sie potenziellen Angreifern allerdings kundtun – und zwar möglichst nicht erst auf deren Zunge. Wie John M. Ratcliffe von der Syddansk Universitet in Odense und Marie Nydam von der Cornell University in Ithaca (New York) nun herausgefunden haben, handhaben die Falter diese als Aposematismus bekannte Abwehrstrategie mit ungewöhnlicher Finesse.

Die beiden Forscher untersuchten 26 Bärenspinnerspezies in Kanada. Dabei beobachteten sie, dass die verschiedenen Arten nicht nur über mehrere Methoden verfügen, ihre Ungenießbarkeit zu signalisieren, sondern sie auch flexibel einsetzen, abgestimmt auf den jeweils vorherrschenden Fressfeind.

Insekten fressende Vögel jagen am Tag und sind über die gesamte Sommersaison aktiv. Daher warnen die tagaktiven Schmetterlinge mit einer besonders auffälligen Färbung vor ihrem Genuss. Die Nachtfalter entziehen sich dieser Bedrohung, indem sie das Tageslicht scheuen, und können sich deshalb ein schlichtes Outfit leisten. Im Spätsommer gehen allerdings vermehrt auch Fledermäuse auf die Jagd. Deshalb verwenden jene Bärenspinner, die um diese Jahreszeit fliegen, bevorzugt Ultraschallsignale, um sich den nachtaktiven Jägern als schlecht schmeckende Beute zu erkennen zu geben: Ein buntes Farbkleid wäre an die fast blinden Fledermäuse verschwendet. Tagaktive Falter wiederum verzichten auf die akustische Warnung.

Die Bärenspinner belegen also die Macht von Selektionszwängen auch beim Aposematismus. Innerhalb einer einzigen Familie haben sich völlig unterschiedliche Abwehrmechanismen entwickelt, die genau auf die jeweilige Bedrohung abgestimmt sind.

Jan Hattenbach

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