Sinnesleistungen: Fühlen funktioniert auch mit Ersatznerven
Seltene genetische Defekte können dazu führen, dass die Haut weder Tastreize noch Schmerz oder Temperaturen spürt, weil ihren oberen Schichten sämtliche benötigten Nervenenden fehlen. Zwei nun untersuchte Betroffene verfügen aber dennoch über einen wenigstens rudimentären Tastsinn, berichten Frank Rice vom Albany Medical College im US-Bundesstaat New York und ein internationales Medizinerteam.
Offenbar dienen den Patienten dabei einige bislang übersehene Nerven um feine periphere Blutgefäße und Schweißdrüsen als Ausweichsensoren. Das Sensorsystem könnte auch bei gesunden Menschen eine unterschätzte Bedeutung haben, spekulieren die Forscher: Womöglich trägt das meist unauffällige System auch zu verschiedenen Schmerzerkrankungen bei wie etwa der Migräne oder der Fibromyalgie, für die bisher keine eindeutige Ursache gefunden wurde.
Die beiden nicht miteinander verwandten Untersuchten, ein Engländer und ein Waliser, reagierten in Tests zwar nur sehr schwach auf mechanische und thermische Reize, lebten aber trotz ihres Handikaps ein normales Leben. Sie verletzten sich zum Beispiel nicht so häufig wie viele andere Betroffene, bei denen wegen genetischer Defekte der Tast- und Schmerzsinn als Warnsignal ausfällt.
Gewebeanalysen belegten, das den Patienten fast sämtliche unmyelinisierten Fasern der peripheren Nerven sowie die zuständigen C- sowie A-Delta-Faserenden in der Epidermis fehlten. Die am häufigsten für solche Defekte verantwortlichen Gene waren allerdings normal funktionsfähig. Als einziges Nervensystem der oberen Hautschicht, das Reize aufnehmen und weiterleiten könnte, blieben daher Fasern um Gefäße und Schweißdrüsen, wie Immunmarkierungen belegten.
Bislang hatten Forscher vermutet, solche Nerven seien ausschließlich für das Regeln und Steuern der Schweißproduktion und des Blutdrucks zuständig. Offenbar können mit ihrer Hilfe aber auch Umweltreize wahrgenommen werden und ins Bewusstsein dringen, schlussfolgern Rice und Co. Womöglich gelte das für Gefäßnerven auch generell. Ihre Signale würden uns meist aber nicht bewusst, weil das System im Lebensalltag hinter den hauptverantwortlichen Systemen zurücksteht.
Die Untersuchungen würden zudem belegen, dass die Nervenversorgung der Blutgefäße anderen Mechanismen unterliegt als die der Haut, meinen die Wissenschaftler. Da eine genetische Ursache des sensorischen Ausfalls bei den untersuchten Patienten zudem nicht gefunden wurde, sei zu überlegen, ob die Versorgung der Haut mit Sinnesnerven auch von äußeren Reizen abhängt, die während der frühen Entwicklung einwirken.
Bei vielen Patienten mit gefühlloser Hautoberfläche und fehlendem Schmerzempfinden sind Gene mutiert, was die Funktion wichtiger Nervenwachstumsfaktoren oder ihrer Rezeptoren beeinträchtigt. Ausschließlich die Schmerzwahrnehmung ist gestört, wenn ein bestimmter Natriumkanal in den nozizeptischen Nervenbahnen ausfällt. (jo)
Offenbar dienen den Patienten dabei einige bislang übersehene Nerven um feine periphere Blutgefäße und Schweißdrüsen als Ausweichsensoren. Das Sensorsystem könnte auch bei gesunden Menschen eine unterschätzte Bedeutung haben, spekulieren die Forscher: Womöglich trägt das meist unauffällige System auch zu verschiedenen Schmerzerkrankungen bei wie etwa der Migräne oder der Fibromyalgie, für die bisher keine eindeutige Ursache gefunden wurde.
Die beiden nicht miteinander verwandten Untersuchten, ein Engländer und ein Waliser, reagierten in Tests zwar nur sehr schwach auf mechanische und thermische Reize, lebten aber trotz ihres Handikaps ein normales Leben. Sie verletzten sich zum Beispiel nicht so häufig wie viele andere Betroffene, bei denen wegen genetischer Defekte der Tast- und Schmerzsinn als Warnsignal ausfällt.
Gewebeanalysen belegten, das den Patienten fast sämtliche unmyelinisierten Fasern der peripheren Nerven sowie die zuständigen C- sowie A-Delta-Faserenden in der Epidermis fehlten. Die am häufigsten für solche Defekte verantwortlichen Gene waren allerdings normal funktionsfähig. Als einziges Nervensystem der oberen Hautschicht, das Reize aufnehmen und weiterleiten könnte, blieben daher Fasern um Gefäße und Schweißdrüsen, wie Immunmarkierungen belegten.
Bislang hatten Forscher vermutet, solche Nerven seien ausschließlich für das Regeln und Steuern der Schweißproduktion und des Blutdrucks zuständig. Offenbar können mit ihrer Hilfe aber auch Umweltreize wahrgenommen werden und ins Bewusstsein dringen, schlussfolgern Rice und Co. Womöglich gelte das für Gefäßnerven auch generell. Ihre Signale würden uns meist aber nicht bewusst, weil das System im Lebensalltag hinter den hauptverantwortlichen Systemen zurücksteht.
Die Untersuchungen würden zudem belegen, dass die Nervenversorgung der Blutgefäße anderen Mechanismen unterliegt als die der Haut, meinen die Wissenschaftler. Da eine genetische Ursache des sensorischen Ausfalls bei den untersuchten Patienten zudem nicht gefunden wurde, sei zu überlegen, ob die Versorgung der Haut mit Sinnesnerven auch von äußeren Reizen abhängt, die während der frühen Entwicklung einwirken.
Bei vielen Patienten mit gefühlloser Hautoberfläche und fehlendem Schmerzempfinden sind Gene mutiert, was die Funktion wichtiger Nervenwachstumsfaktoren oder ihrer Rezeptoren beeinträchtigt. Ausschließlich die Schmerzwahrnehmung ist gestört, wenn ein bestimmter Natriumkanal in den nozizeptischen Nervenbahnen ausfällt. (jo)
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