News: Gemeinsam sind wir groß
Denn wenn diese die Frühlingsgefühle packen, dann besteigen sich sogar gleichgeschlechtliche Tiere – Männchen wie Weibchen. Für den Fortpflanzungserfolg scheint das eigentlich auf den ersten Blick reichlich sinnlos zu sein. Wie die beiden Wissenschaftler nun aber nachweisen konnten, erhöhen zumindest die weiblichen Tiere damit ihre Chance, sich ein großes Männchen zu angeln (Nature vom 21. Oktober 1999). Denn diese werden von den 'homosexuellen' Pärchen angelockt, während die kleineren einen Sicherheitsabstand einhalten, offensichtlich entmutigt durch die Größe des doppelten Weibchens.
Das alles funktioniert aber nur, weil mit bloßem Auge die beiden Geschlechter nicht auseinanderzuhalten sind. Und von dem kleinen Theater profitieren auch beide beteiligten Damen, da sich das Männchen völlig unbeeindruckt von oben oder unten für eine von den beiden entscheidet. Sonst würde sich das untere Weibchen auch sicherlich nicht 'auf's Dach' steigen lassen – es könnte das obere Tier jederzeit abwerfen.
Ein derartiges 'homosexuelles' Verhalten ist von vielen Insekten und auch anderen Tieren bekannt. Die gängige Erklärung für das Besteigen von gleichgeschlechtlichen Artgenossen wie zum Beispiel bei Kühen ist, daß damit Überlegenheit demonstriert wird, erläutert Brockmann. Für die Käfer vermutet sie aber eine andere Erklärung: "Durch das Besteigen anderer Weibchen erhöhen die weiblichen Tiere ihren Fortpflanzungserfolg, da sie sich mit großen Männchen paaren können. Und große Männchen sind vorteilhaft, weil ihre Größe zum Beispiel darauf hinweist, daß sie sehr erfolgreich bei der Futtersuche sind oder dem Weibchen wertvolle Ressourcen liefern können."
Freilandstudien zu diesem kuriosen Verhalten sind eine große Herausforderung, da die Tiere im Durchschnitt nach 17 Minuten bereits wieder herunterkrabbeln. Die Forscher verlegten sich daher auf Laborexperimente, in denen sie den Weibchen tote Artgenossinen auf den Rücken klebten. "So schufen wir natürliche Bedingungen, aber in größerer Anzahl, so daß wir die Auswirkungen besser studieren konnten", erzählt Brockmann.
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