Geschenke: Hauptsache wow!
Wenn es um Geschenke geht, klaffen die Meinungen von Sender und Empfänger manchmal ziemlich weit auseinander: Denn paradoxerweise tendieren wir häufig dazu, andere Dinge zu verschenken, als wir selbst gerne bekommen würden. Psychologen wundern sich bereits seit Jahren über das Phänomen, auf das sie inzwischen in zahlreichen Untersuchungen gestoßen sind. Ein Team um Adelle Yang von der National University of Singapore ist nun zu dem Schluss gekommen, dass die unterschiedlichen Ansichten über Geschenke daher zu rühren scheinen, dass man als Schenkender vor allem Zeuge großer Emotionen werden will, wenn der Beschenkte das Präsent öffnet. Entsprechend sind echte Überraschungspräsente und Geschenke mit Wow-Effekt in den Augen der betreffenden Personen besonders wertvoll. Geschenke, die den Empfänger eher langfristig zufrieden machen, bleiben hingegen auf der Strecke.
Die Wissenschaftler untersuchten ihre so genannte »smile-seeking«-Hypothese in mehreren Experimenten mit echten und hypothetischen Geschenken. Dazu befragten sie etwa knapp 300 Probanden, was sie lieber zum Valentinstag verschenken beziehungsweise bekommen würden: ein Dutzend Rosen in voller Blüte oder zwei Dutzend Rosen, deren Blüten noch geschlossen waren? Einen riesigen Blumenstrauß oder eine Bonsaipflanze? Eine herzförmige Dose mit Keksen oder einen Früchtekorb? Jene Teilnehmer, die sich in die Rolle des Schenkenden versetzen sollten, tendierten eher zu den jeweils erstgenannten Präsenten – weil sie annahmen, dass diese die stärksten emotionalen Reaktionen bei ihrem oder ihrer Angebeteten auslösen würden. Probanden, die entscheiden mussten, welches Geschenk sie selbst gerne erhalten würden, wählten hingegen häufiger die zweite Option.
In einem anderen Versuch baten die Forscher ihre Teilnehmer, sich an Geschenke zu erinnern, die sie in der Vergangenheit tatsächlich verschenkt oder erhalten hatten. Dabei zeigte sich, dass viele Probanden angaben, an eher pragmatischen Präsenten wie Geld oder einem guten Buch die längste Freude gehabt zu haben. Paradoxerweise scheuten sie aber umgekehrt eher davor zurück, solche Dinge an andere zu verschenken. In diesem Punkt zeigten sich die Versuchspersonen derart stur, dass es auch nichts bringe, die betreffenden Personen zu bitten, sich bei der Geschenkeauswahl in die Rolle des Beschenkten hineinzuversetzen, sagen die Forscher.
Die passendsten Geschenke scheinen hingegen zu entstehen, wenn die Schenkenden gar nicht dabei sein können, wenn der Beschenkte ihr Präsent auspackt, wie ein weiteres Experiment von Yang und Kollegen offenbarte. Denn dann ist der Wow-Effekt bei der Suche nach einem guten Geschenk offenbar nicht mehr so wichtig.
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