Mars: ESA wählt Landeplatz für Mission ExoMars 2018 aus
Das europäische Programm zur Erkundung des Roten Planeten Mars nimmt allmählich Fahrt auf: Für März 2016 ist der Start der Mission ExoMars 2016 geplant, und schon im Mai 2018 soll ExoMars 2018 folgen. Letztere besteht aus einer Landeplattform und dem ersten Marsrover aus europäischer Fertigung. ExoMars 2018 soll im Januar 2019 weich auf dem Boden der Region Oxia Planum auf der Nordhalbkugel des Mars aufsetzen. Dieser Ort wurde kürzlich von der "Landing Site Selection Working Group" der ESA aus einer Auswahl von vier möglichen Kandidaten empfohlen. Die endgültige Entscheidung soll dann ein halbes Jahr vor dem Start, also gegen Ende 2017 fallen. Die Instrumentierung des ExoMars-Rovers ist speziell darauf ausgelegt, gezielt nach Spuren von Leben auf dem Planeten zu suchen. Dabei geht es darum zu klären, ob es auf dem Mars derzeit noch Mikroorganismen gibt oder ob es sie in der langen Vergangenheit des Roten Planeten überhaupt je gab.
Ein Highlight des Rovers ist ein Bohrsystem, mit dem sich Bodenproben bis in eine Tiefe von zwei Metern unterhalb der Marsoberfläche gewinnen lassen. Das dortige Material ist vor den harten Bedingungen unmittelbar an der Oberfläche geschützt. Dort zerstören die ultraviolette Strahlung der Sonne oder die kosmische Partikelstrahlung alle komplexen Moleküle, die für Leben, wie wir es kennen, unabdingbar sind. Das Material unter der Oberfläche von Oxia Planum könnte aus einer Zeit vor mehr als 3,6 Milliarden Jahren stammen, als der Mars den gängigen Theorien zufolge sehr viel wärmer und feuchter als heute war. Oxia Planum liegt in einer Region, in der viele Täler münden, die durch flüssiges Wasser in der Frühzeit des Roten Planeten ausgewaschen wurden. Außerdem wiesen spektroskopische Beobachtungen mit Raumsonden hier Vorkommen von Tonmineralen nach. Diese können nur in Kontakt mit flüssigem Wasser entstehen.
Das Landegebiet für den europäischen Rover muss relativ glatt und frei von größeren topografischen Hindernissen sein. Interessante Ziele sollten sich innerhalb von rund einem Kilometer zum eigentlichen Aufsetzpunkt ansteuern lassen. Die Primärmission ist auf eine Dauer von 218 Marstagen ausgelegt und sieht eine Fahrstrecke von rund zwei Kilometern vor. Im Landegebiet darf es keine Steilhänge geben, und Felsbrocken mit einer Höhe von mehr als 35 Zentimetern – das entspricht der Bodenfreiheit des Landemoduls – müssen vermieden werden.
Bei der Mission ExoMars 2018 kooperiert die ESA in erheblichem Maß mit Russland. Dieses stellt die Proton-Trägerrakete für den Start und liefert auch das Modul für den Atmosphäreneintritt. Die Sonde besteht aus einem Trägermodul für die Eintrittskapsel, das bei Erreichen des Roten Planeten abgetrennt wird, und dem eigentlichen Lander. Der Rover befindet sich bei der Landung auf der Landeplattform, die vor dem Aufsetzen mittels Fallschirmen, Raketentriebwerken und Dämpfungssystemen so weit abgebremst wird, dass sie hoffentlich sanft den Boden berührt. Nach der Landung fährt der Rover von der Plattform herunter und beginnt mit seiner Arbeit. Damit zieht die ESA in etwa mit den US-Marsmissionen der Rover Spirit und Opportunity aus dem Jahr 2004 gleich, allerdings ist die wissenschaftliche Instrumentierung von ExoMars 2018 deutlich leistungsfähiger. Nach wie vor spielt aber der US-Marsrover Curiosity in seiner ganz eigenen Liga.
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