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Eiszeit-Streit: Vulkane und ein Kipppunkt verursachten Klimawandel am Ende der Eiszeit

Es war wohl doch kein Asteroid, wie bislang angenommen wurde. Neue, präzisere Daten stützen die Vermutung, dass die Kälteperiode Jüngere Dryas irdische Ursachen hatte.
Eine Berglandschaft mit einem Vordergrund aus weißen Blumen, die auf einer grünen Wiese blühen. Im Hintergrund sind felsige Berge und ein blauer Himmel mit einigen Wolken zu sehen. Der Pfad schlängelt sich durch die Wiese, und die Szene vermittelt ein Gefühl von Ruhe und natürlicher Schönheit.
Die Jüngere Dryas ist nach dem kälteliebenden Weißen Silberwurz (Dryas octopetala) benannt, der sich während der mehr als 1000 Jahre anhaltenden Kälteperiode weit verbreitete.

Es ist eines der größten Rätsel der jüngeren Erdgeschichte. Vor 12 900 Jahren hatte die eiszeitliche Welt bereits begonnen, sich zu erwärmen – doch plötzlich kam die Kälte zurück, 1300 Jahre lang. Um bis zu sechs Grad sank die Durchschnittstemperatur in Europa während dieser als Jüngere Dryas bezeichneten Phase. Bis heute ist nicht geklärt, wie die drastische Abkühlung zustande kam. Die bekannteste Theorie ist, dass einst ein Asteroid oder Komet über Nordamerika explodierte und die Erde abkühlte. Allerdings sind die Indizien dafür dünn.

Seit einem knappen Jahrzehnt häufen sich dagegen die Anzeichen, dass Vulkane bei der damaligen Klimakrise eine Rolle spielten. Ein Team um Lucien Nana Yobo von der Texas A&M University unterstützt diese These nun mit neuen Daten. Für die jetzt in der Fachzeitschrift »Science Advances« erschienene Studie kombinierten die Fachleute neue Befunde aus Florida mit früheren Untersuchungen. Laut der Analyse war die Vulkanserie stark genug, das nordatlantische Strömungssystem AMOC zu stören und die Nordhalbkugel sehr stark abzukühlen.

Zusätzlich könnten sie ungewöhnlich hohe Konzentrationen einiger seltener Metalle in Schichten aus jener Zeit erklären, die als Beleg für einen Einschlag galten. Doch obwohl die 110 Jahre währende Abfolge von Vulkanausbrüchen bereits 2020 entdeckt wurde, fehlten bisher genaue Untersuchungen solcher Ablagerungen. Das Team um Nana Yobo untersuchte deswegen Osmium-Isotope sowie Platin und verwandte Elemente in einer zeitlichen Abfolge von Ablagerungen, die sich in einem Einsturzkrater in Florida gebildet hatte. Diese Metalle sind in Asteroiden angereichert, sie werden aber auch bei Vulkanausbrüchen aus dem Erdmantel freigesetzt. Laut den Analysen der Fachleute ähneln die genauen Gehalte an Osmium, Rhenium und Ruthenium in den Sedimenten jenen in vulkanischen Aerosolen. Zusätzlich spricht auch die Verteilung derartiger Elemente weltweit für einen großräumigen Transportmechanismus wie stratosphärische Aerosole aus Vulkanausbrüchen.

Eine nach wie vor offene Frage ist, wie eine derart kurze Vulkanserie zur 1300 Jahre anhaltenden Abkühlung, besonders der nördlichen Hemisphäre, führen konnte. Zwar deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass die Abkühlung durch die Vulkanserie stärker als jedes vergleichbare Ereignis in den zurückliegenden 10 000 Jahren war, dennoch müssen andere Faktoren an der Jüngeren Dryas beteiligt gewesen sein. Die Fachleute argumentieren allerdings, dass drei der vier Eruptionen wahrscheinlich auf der Nordhalbkugel stattfanden. Die dadurch deutlich stärkere Abkühlung könnte demnach unter anderem das Strömungssystem AMOC gestört und eine Kettenreaktion ausgelöst haben, die das Klimasystem in einen neuen, deutlich kälteren Zustand kippen ließ. Dieser wäre dann so stabil gewesen, dass er auch nach dem Ende der vulkanischen Abkühlung anhielt und erst nach mehr als 1000 Jahren wieder in einen wärmeren Zustand kippte.

  • Quellen
Nana Yobo, L. et al, Science Advances 10.1126/sciadv.aec9030, 2026

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