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Arbeitswelt : Wie man KI nutzt, ohne das Selbstvertrauen zu verlieren

Experimente zeigen: Die intensive Verwendung von KI‑Programmen kann Zweifel an den eigenen Fähigkeiten wecken – muss aber nicht. Denn nicht alle Nutzer empfinden so. Was machen sie anders? 
Eine Person hält eine holografische Darstellung von zwei Köpfen über einem Laptop. Der linke Kopf zeigt ein Schaltkreis-Muster mit den Buchstaben "AI", während der rechte Kopf ein Gehirn darstellt. Pfeile verbinden die beiden Köpfe und symbolisieren den Austausch zwischen künstlicher Intelligenz und menschlichem Denken. Der Hintergrund ist in Blau- und Grautönen gehalten, was eine futuristische Atmosphäre schafft.
Wer KI-Antworten nicht hinterfragt, glaubt weniger an sein eigenes Können. Vielleicht verstärken eine »passive« Nutzung von ChatGPT & Co und ein geringes Selbstvertrauen sich gegenseitig.

Das ungute Gefühl verdichtet sich: Laut einem Experiment ersetzen KIs wie ChatGPT nicht nur viel eigene Denkarbeit, sondern untergraben womöglich auch das Selbstvertrauen. Aber das empfanden nicht alle Versuchsteilnehmer so: Es kam darauf an, auf welche Weise sie mit der KI kommuniziert hatten.

Die Neurowissenschaftlerin Sarah Baldeo von der Middlesex University in London rekrutierte knapp 2000 Berufstätige, vorwiegend aus dem mittleren oder höheren Management. Die Männer und Frauen hatten sich bereiterklärt, zehn teils recht anspruchsvolle Aufgaben zu bewältigen, darunter einen Plan für eine Gehaltsanpassung aufzustellen oder kompliziertere Einkäufe zu planen. Dabei durften sie generative KI-Programme (LLMs) nutzen. Alle Interaktionen mit dem LLM – etwa wie viele Prompts jemand verwendete, ob man der KI widersprach oder ihre Vorschläge noch veränderte – wurden automatisiert ausgewertet.

KI nährt Zweifel 

Die Aufgaben hätten ohne KI-Hilfe viel Hirnschmalz verlangt: Erinnern, Rechnen, Planen mit Variablen, Interpretieren mehrdeutiger Daten … Doch am Ende bestätigten im Schnitt (über alle Aufgaben hinweg) 58 Prozent der Versuchspersonen, das LLM habe »den Großteil des Denkens bei der Arbeit übernommen«. Männer stimmten stärker als Frauen zu, sie hätten sich beim Lösen »auf die KI verlassen«. Viele Versuchspersonen berichteten auch von einem geringen Vertrauen in ihre eigenen Überlegungen und dem Gefühl, die Ideen seien nicht mehr ihre eigenen.

Doch nicht bei allen Probanden war die Selbsteinschätzung derart negativ: Wer KI‑Vorschläge laut automatischer Erfassung aktiv verändert, hinterfragt oder abgelehnt hatte, empfand mehr Selbstvertrauen und ein stärkeres Gefühl, am Ergebnis mitgewirkt zu haben. Aus dieser Beobachtung lässt sich allerdings nicht ableiten, dass eine kritisch-aktive KI-Nutzung ursächlich die Selbsteinschätzung verändert – wer mehr auf sein Können hält oder mehr weiß, wird anderslautenden KI-Ergebnissen auch eher widersprechen.

Dennoch sollten KI‑Programme so entwickelt werden, dass sie dazu anregen, eigene Alternativen zu entwickeln und Annahmen zu überprüfen, fordert Baldeo, die im Bereich »KI und Neurowissenschaften« forscht: »Das Problem ist nicht die Nutzung von KI an sich, sondern der Grad passiver Akzeptanz«, glaubt die Forscherin. Der Presse gegenüber hat sie einige persönliche Tipps für den Umgang mit KI verraten. Auf jeden Fall gibt Baldeos Studie der Debatte um drohende »Hirnfäule« durch KI neue Impulse.

Tipps zum Umgang mit KI bei der Arbeit

Die Neurowissenschaftlerin Sarah Baldeo hat einige Vorschläge.

  1. Versuche, ein Problem zunächst selbst zu lösen, bevor du KI‑Programme bittest, die Arbeit für dich zu übernehmen.
  2. Verfeinere KI‑Prompts mindestens zwei‑ oder dreimal, um qualitativ hochwertigere Antworten zu erhalten – so aktivierst du auch deine eigenen kognitiven Fähigkeiten.
  3. Lege mindestens zwei‑ bis dreimal pro Woche Pausen von der Nutzung von KI‑Programmen bei der Arbeit ein. Das könnte helfen, nicht zunehmend wie eine KI zu klingen.
  • Quellen
Baldeo, S., Technology, Mind, and Behavior 10.1037/tmb0000191, 2026

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