Escobar-Hippos in Kolumbien: Indischer Milliardärssohn will »Kokain-Nilpferde« aufnehmen

Ein indischer Milliardärssohn will 80 zur Tötung vorgesehene Nilpferde des Drogenbarons Pablo Escobar aus Kolumbien nach Indien umsiedeln. »Diese 80 Nilpferde haben nicht gewählt, wo sie geboren wurden, noch haben sie die Umstände geschaffen, denen sie jetzt gegenüberstehen«, erklärt der indische Unternehmer Anant Ambani gegenüber der indischen Presseagentur »ANI«. Ambani ist der Gründer des Tierzentrums Vantara und stammt aus der einflussreichen Familie hinter dem Großkonzern Reliance Industries.
Ambani appellierte an die kolumbianische Regierung, die geplante Keulung zu überdenken und stattdessen eine »sichere und wissenschaftlich begleitete Umsiedlung« zu prüfen. Sein Tierzentrum im Bundesstaat Gujarat habe angeboten, die Nilpferde aufzunehmen und zu versorgen sowie eine »vollständig ausgestattete Alternative« für die Keulung vorzulegen – vorbehaltlich notwendiger Genehmigungen und logistischer Planung. Wie die »BBC« berichtet, gebe es aber auch Kritik von Wildtierschützern am Zoo von Ambani; unter anderem seien die heißen und trockenden Klimabedingungen für einige Tiere nicht geeignet.
Die Tiere umzusiedeln, gilt zudem als schwierig. Eine Beförderung ins Ausland hängt laut dem kolumbianischen Umweltministerium davon ab, dass andere Staaten die Tiere aufnehmen und entsprechende Genehmigungen erteilen. Anfragen an mehrere Länder – neben Ecuador, Peru, Mexiko, Südafrika oder die Philippinen auch Indien – seien bislang an rechtlichen, technischen und finanziellen Hürden gescheitert, berichtet die Zeitung »El Tiempo« unter Berufung auf das Ministerium.
Die kolumbianische Regierung hatte angekündigt, die Population der invasiven Tiere zu reduzieren und zunächst etwa 80 Nilpferde zu töten.
Flusspferde zerstören Kolumbiens Ökosysteme
Schätzungen zufolge leben derzeit rund 200 Nilpferde in Kolumbien. Ohne Gegenmaßnahmen könnte die Population bis ins Jahr 2035 auf 1000 Exemplare steigen. Experten warnen vor Schäden für Ökosysteme und Gefahren für die Bevölkerung. Schon jetzt bedrohen die Flusspferde nicht nur Menschen, sondern auch einheimische Tierarten. So haben die Ausscheidungen der Nilpferde bereits kleinere Gewässer zum Kippen gebracht und ein Fischsterben ausgelöst. Zudem zertrampeln die Tiere Uferbänke und verdrängen Spezies.
Der Versuch, die weiblichen Tiere zu sterilisieren, ist nach wenigen erfolgreichen Operationen gescheitert. Die Flusspferde ließen sich nicht mehr locken. Ein zuvor durchgeführtes Kastrationsprogramm für Männchen wurde ebenfalls wegen ausbleibenden Erfolgs eingestellt.
Der kolumbianische Drogenbaron Pablo Escobar schaffte sich einst vier afrikanische Flusspferde für den Tierpark in seinem Luxusanwesen Hacienda Nápoles an. Nachdem der Chef des Medellín-Kartells 1993 von Sicherheitskräften erschossen worden war, verfiel das Anwesen. Die Flusspferde, die nach ihrem ehemaligen Besitzer, Drogenhändler Escobar, auch »Kokain-Hippos« genannt werden, zogen in die umliegenden Wälder, pflanzten sich kräftig fort und breiteten sich immer weiter aus. (dpa/kas)
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