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Jungpaläolithikum: Menschenopfer in der Altsteinzeit

Die magisch-religiösen Praktiken der Jäger und Sammler am Ende der Altsteinzeit waren möglicherweise weit komplexer und vielfältiger, als bislang angenommen. Dem Archäologen Vincenzo Formicola zufolge gehörten im so genannten Jungpaläolithikum vor 28 000 bis 10 000 Jahren vermutlich auch Menschenopfer zu den Ritualen.

Formicola schließt dies aus der Analyse von oftmals reich mit Beigaben versehenen Mehrfachbestattungen, bei denen bestimmte Kombinationen aus Alter und Geschlecht gehäuft aufträten und so auf eine gezielte Auswahl der dort Begrabenen deuteten. In spektakulären Gräbern würden Forscher außerdem besonders oft Menschen mit angeborenen Missbildungen oder Kleinwuchs finden, erklärt der Archäologe von der Universität Pisa.

Als Beispiele nennt er das mit einem Stierrelief abgedeckte Grab eines Kleinwüchsigen und einer Frau in der Romito-Höhle in Kalabrien, die mit zahllosen Elfenbeinperlen versehene Bestattung zweier Jugendlicher in Songhir (Russland) und das Grab dreier ungewöhnlich arrangierter Jungen im tschechischen Dolní Věstonice. Purer Zufall oder eine Epidemie könne als Grund für die Mehrfachbestattungen ausgeschlossen werden, glaubt Formicula.

In der letzten Phase der Altsteinzeit, an deren Ende Ackerbau und Viehzucht stehen, entwickelten die Menschen eine Vielzahl kultureller Fähigkeiten. Prominente Zeugnisse ihrer Kunst sind die Höhlenmalereien aus dem französischen Lascaux oder auch die Skulptur der Venus von Willendorf.

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