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Organoide: Mini-Magen aus menschlichen Stammzellen gezüchtet

Organe im Miniaturformat sollen bei der Erforschung von Krankheiten helfen. Nun ist Wissenschaftlern dieses Kunststück auch beim Magen gelungen.
Miniatur-Magen für die Forschung

Forschern um James Wells vom Cincinnati Children's Hospital Medical Center ist es gelungen, einen voll funktionsfähigen menschlichen Miniaturmagen in der Petrischale zu züchten. Die Wissenschaftler spielten die Entwicklung des Magens, wie sie üblicherweise im Embryonalstadium stattfindet, im Labor mit menschlichen pluripotenten Stammzellen nach. Diese formten im Lauf eines Monats eine dreidimensionale Struktur, die auf funktionaler Ebene einem "echten" menschlichen Magen entspricht. Das Miniorgan ist allerdings gerade einmal rund drei Millimeter groß.

Die Transplantationsmedizin wird dieses so genannte Organoid damit wohl nicht revolutionieren, dafür könnte es aber die Erforschung verschiedener Krankheiten erleichtern. Hier schaffen Tiermodelle nämlich nur bedingt Abhilfe, da der Verdauungstrakt von Maus oder Fliege sich doch recht deutlich von dem unseren unterscheidet. Zum Test infizierten Wells und sein Team ihren Minimagen daher mit Helicobacter pylori-Bakterien, die beim Menschen teils für schwere Magengeschwüre und Tumoren verantwortlich sein könnten. Die Forscher konnten beobachten, wie die Mikroben innerhalb von 24 Stunden biochemische Veränderungen bei ihrem Organ auslösten.

Miniaturmagen für die Forschung | Aus humanen pluripotenten Stammzellen züchteten Forscher einen Magen in der Petrischale. Das Organoid ist etwa drei Millimeter groß und hier mit Hilfe von Fluoreszenzmarkern eingefärbt.

Wells und Kollegen gehören damit zu den Ersten, denen es gelungen ist, Magengewebe aus menschlichen pluripotenten Stammzellen zu erzeugen. In Zukunft hoffen die Forscher, auch Miniaturmodelle von anderen Organen wie der Lunge oder der Bauchspeicheldrüse züchten zu können. Diese entstehen während der Embryonalentwicklung auf ähnlichem Weg.

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