News: Missglückte Warnung
Allerdings kann das Prinzip eigentlich nur dann funktionieren, wenn die Nachahmer auch tatsächlich mit ihren gefährlichen oder ungenießbaren Modelle im selben Gebiet vorkommen. Doch nicht immer überschneiden sich die Verbreitungsgebiete lückenlos. Welchen Schutz bietet die Warntracht also ihren Trägern in Regionen, in denen das zu Recht abschreckende Vorbild fehlt?
Recht wenig, berichten David W. Pfennig und seine Mitarbeiter vom Department of Biology der University of North Carolina in Chapel Hill. Sie begaben sich unter Schlangen, um diese Frage zu beantworten. Denn einige Königsnattern, wie die Scharlach-Königsnatter (Lampropeltis triangulum elapsoides) und die Arizona-Königsnatter (Lampropeltis pyromelana) imitieren erfolgreich das bunte Ringelkleid der giftigen Harlekin-Korallenschlange (Micrurus fulvius) beziehungsweise der Arizona-Korallenschlange (Micruroides euryxanthus).
Die Forscher fertigten gefärbte Plastilin-Schlangen, die das typische geringelte Muster trugen, sowie zur Kontrolle gestreifte und einfarbig braune Exemplare. Diese "leichte Beute" legten sie dann sowohl in Gegenden der südöstlichen Vereinigten Staaten aus, welche die ungiftigen Königsnattern mit ihren gefährlichen Vorbildern teilen, als auch in Gebieten nördlich davon, in denen die Modelle fehlen.
Und die mangelnde schlechte Erfahrung der Räuber macht sich tatsächlich bemerkbar: Die Schlangen-Imitate in den nicht von Korallenschlangen besiedelten Gebieten wurden signifikant häufiger angegriffen als in den von beiden Formen gemeinsam bewohnten Regionen. Außerdem nahm die Zahl der Attacken sowohl mit der Meereshöhe als auch mit dem Breitengrad zu, da hier die Korallenschlangen kontinuierlich seltener werden.
Wenn sich die Warntracht also nicht lohnt, stellt sich die Frage, warum sie außerhalb der Verbreitungsgebiete der giftigen Vorbilder überhaupt auftritt. Vielleicht sorgt Genfluss zwischen Populationen mit und ohne gefährliche Mitbewohner dafür, dass die mimetischen Muster erhalten bleiben, spekulieren Pfennig und seine Kollegen. "Immerhin zeigen unsere Ergebnisse, dass der Nutzen der Mimikry von der Häufigkeit des Vorbilds abhängt."
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