Vakzine: Mutiertes Kinderlähmungsvirus durchbricht Impfschutz
Die Kinderlähmung ist fast ausgerottet, pro Jahr erkranken weltweit nur noch wenige hundert Menschen. Vorsicht bleibt aber geboten, wie ein Team deutscher Forscher aus Gabun berichtet: Sie identifizierten nun rückwirkend ein mutiertes Virus, gegen das der übliche Impfschutz nicht wirkt. Es hatte bei der schweren Kinderlähmungsepidemie im Kongo 2010 mindestens 445 Menschen infiziert.
Die Epidemie forderte dabei auch über 200 Tote und war damit weit tödlicher als üblich. Zudem hatten sich viele Menschen infiziert, obwohl sie offensichtlich geimpft waren. Wie jetzt die Analysen des Virus ergaben, trug es aber eine Mutation, die die Zielstruktur der durch die Impfung induzierten Antikörper verändert. Diese konnten daher das Virus nicht mehr bekämpfen. Weitere Tests zeigten, das das Kongovirus von 2010 auch in Mitteleuropa gefährlich gewesen wäre: Das Immunsystem von 34 geimpften Medizinstudenten, die freiwillig Blutproben gegeben hatten, wäre mit dem mutierten Virus ebenfalls nicht problemlos fertiggeworden.
Das Poliovirus soll nach dem Ziel der WHO in den nächsten Jahren – wie zuvor schon die Pocken – ganz ausgerottet werden. Das kann klappen, weil das Kinderlähmungsvirus nur von Mensch zu Mensch springt und Erreger-Reservoirs in Tieren fehlen. Bislang hatte man auch gedacht, dass die Polioimpfstoffe sehr gut wirken. Taucht ein mutiertes Virus auf, müssen aber unbedingt zusätzliche Maßnahmen greifen. Im Kongo 2010 konnte die Polioepidemie durch ein massives zusätzliches Impfprogramm mit einem zweiten Impfstoff und verstärkten Hygienemaßnahmen gestoppt werden.
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