Direkt zum Inhalt

Frühe Präeklampsie: Blutwäsche kann Kaiserschnitt hinauszögern

Bei einer schweren Präeklampsie muss das Baby oft viel zu früh per Kaiserschnitt entbunden werden. Eine spezielle Blutwäsche könnte helfen, den Krankheitsverlauf zu bremsen und zusätzliche Zeit zu gewinnen.
Eine schwangere Person liegt auf einem Operationstisch, der Bauch ist mit einem chirurgischen Tuch bedeckt. Zwei Hände in OP-Handschuhen sind sichtbar; eine hält einen Stift und zeichnet eine Markierung auf den Bauch. Die Szene ist in gedämpftem Licht gehalten, das den Bauch hervorhebt.
In Europa entwickeln etwa 2 bis 5 von 100 Schwangeren eine Präeklampsie. Oft muss das Baby deutlich vor dem eigentlichen Geburtstermin per Kaiserschnitt geholt werden, um schwere Komplikationen bei Mutter und Kind zu vermeiden.

Eine frühe Präeklampsie kann für Mutter und Kind lebensbedrohlich werden. Deshalb muss das Baby oft schon Wochen vor dem Geburtstermin entbunden werden, meist per Kaiserschnitt. Eine spezielle Blutwäsche könnte helfen, wertvolle Zeit für Mutter und Kind gewinnen, wie ein internationales Forschungsteam um Ravi Thadhani von der Harvard Medical School in Nature Medicine berichtet.

Präeklampsie, früher auch als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet, geht mit hohem Blutdruck und Organschäden einher. Sie entsteht unter anderem dadurch, dass die Plazenta verstärkt das Protein sFlt‑1 bildet und ins Blut freisetzt. Es bindet gefäßschützende Wachstumsfaktoren im Blut und bringt so das fein austarierte Gleichgewicht der Blutgefäße aus dem Lot. Ob sich das Protein durch eine Blutwäsche aus dem Körper entfernen lässt, testeten die Forscher zunächst erfolgreich in Experimenten mit Primaten. Anschließend setzten sie das Verfahren bei 16 Frauen mit sehr früher Präeklampsie ein, bei denen die Erkrankung bereits vor der 32. Schwangerschaftswoche auftrat.

Für die Behandlung wurde das Blut der Schwangeren durch eine Art Filterkartusche geleitet, die sFlt-1 aus dem Blutplasma entfernt, ähnlich wie bei der Dialyse. Dabei koppelt der Antikörper AG10b sehr spezifisch an das sFlt-1, lässt andere wichtige Blutbestandteile wie Albumin oder Fibrinogen jedoch weitgehend unangetastet. Die Schwangerschaft konnte dadurch nach der Aufnahme ins Krankenhaus im Schnitt um zehn Tage verlängert werden. In einzelnen Fällen ließ sich die Entbindung sogar um bis zu knapp drei Wochen hinauszögern. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf; die beobachteten Begleiterscheinungen entsprachen weitgehend denen anderer Blutwäscheverfahren. Auch bei den Neugeborenen fanden sich keine Hinweise auf behandlungsbedingte Schäden.

In manchen Fällen sei es gelungen, den sFlt-1-Anstieg mit nur wenigen Sitzungen zunächst dauerhaft niedrig zu halten, heißt es. Womöglich handele es sich hier um einen Rückkopplungseffekt: Die Blutwäsche könnte einen Teufelskreis unterbrechen, bei dem die schlechte Plazentadurchblutung zu mehr sFlt-1 führt, was wiederum die Durchblutung weiter verschlechtert. Eine einmalige Absenkung des Proteins entlastet hingegen womöglich die Plazenta so weit, dass sie künftig dauerhaft weniger sFlt-1 produziert.

Dass sich eine Schwangerschaft bei Präeklampsie mithilfe von Blutwäsche verlängern lässt, ist allerdings keine neue Beobachtung. Schon frühere Studien mit unterschiedlichen Aphereseverfahren hatten gezeigt, dass man den Zeitraum bis zur Entbindung um rund ein bis zwei Wochen hinauszögern kann.

Für Mutter und Baby kann selbst ein begrenzter Zeitgewinn klinisch relevant sein, etwa um die Lungenreife des Kindes zu fördern oder eine Entbindung besser vorzubereiten. Erhöhte sFlt‑1‑Werte gelten seit Langem als typisches Merkmal der Präeklampsie und werden bereits zur Diagnose genutzt. Frühere Ansätze zielten darauf ab, den Botenstoff medikamentös zu beeinflussen. Ob das Verfahren den Krankheitsverlauf dauerhaft verbessert und Risiken für Mutter und Kind senkt, soll nun in größeren, kontrollierten Studien untersucht werden.

  • Quellen
Thadhani, R. et al., Nature Medicine 10.1038/s41591–026–04333–6, 2026

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.