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Mentale Gesundheit: Schlechter Schlaf und psychische Symptome bedingen sich gegenseitig

Unruhige Nächte wirken sich auf Stimmung, Sorgen und Belastbarkeit aus. Besonders Menschen mit Ängsten, Depressionen oder Autismusmerkmalen scheinen anfällig zu sein.
Eine Person liegt in einem Bett, umgeben von gemusterten Kissen und einer Decke. Sie trägt ein gelbes Oberteil und hat eine Hand auf der Stirn, als ob sie nachdenkt oder sich ausruht. Im Hintergrund ist eine weiße Ziegelwand zu sehen. Die Szene vermittelt eine ruhige und entspannte Atmosphäre.
Menschen mit einer erhöhten psychischen Belastung reagieren besonders empfindlich auf Schwankungen ihrer Schlafzufriedenheit (Symbolbild mit Fotomodell).

Wer schlecht schläft, ist am nächsten Tag oft nicht gut drauf – so weit, so bekannt. Forschende aus den Niederlanden wollten den Zusammenhang in einer Tagebuchstudie genauer ergründen: Wie wirkt sich eine geringe Schlafzufriedenheit auf die Psyche aus? Und reagieren Menschen mit psychischen Problemen besonders empfindlich darauf?

Die Neurologin Dina Sarsembayeva vom Universitätsklinikum Groningen und ihre Kolleginnen baten insgesamt 122 junge Erwachsene, ein halbes Jahr lang jeden Tag eine Reihe von Fragen auf ihrem Smartphone zu beantworten. Dabei sollten die Teilnehmenden einschätzen, wie gut sie in der Nacht zuvor geschlafen hatten, und Auskunft über negative psychische Symptome geben, darunter Reizbarkeit, Ungeduld und anhaltende Grübeleien. Die Teilnehmenden stammten aus einer niederländischen Langzeitstudie, in der Menschen mit einem erhöhten Risiko für psychische Störungen über viele Jahre begleitet werden. Dadurch konnten die Forschenden auch untersuchen, ob sich die Effekte bei psychisch vorbelasteten Personen unterscheiden.

Das Ergebnis: Schlief jemand nach eigener Einschätzung schlechter als sonst, berichtete er am nächsten Tag im Mittel über stärkere Beschwerden. Vor allem Apathie, Sorgen sowie Ungeduld und Gereiztheit nahmen zu. Zudem konnten Befragte, die ihren Schlaf als mangelhaft empfunden hatten, schlechter mit Rückschlägen und Planänderungen umgehen und reagierten empfindlicher auf intensive Sinneseindrücke. Diese Zusammenhänge galten für alle Teilnehmenden, waren aber besonders ausgeprägt bei Personen, die zuvor erhöhte Werte von Ängstlichkeit und Depressivität sowie Anzeichen einer Autismus-Spektrum-Störung gezeigt hatten.

Aufs Grübeln folgt eine schlechte Nacht

Umgekehrt schien eine schlechtere psychische Verfassung die nachfolgende Nachtruhe in Mitleidenschaft zu ziehen: Vor allem stärkere Sorgen und Grübeleien tagsüber gingen mit einem anschließend schlechteren Schlaf einher. Auch Reizbarkeit, Unruhe und weitere Symptome sagten eine geringere Schlafqualität voraus – hauptsächlich aber nur für Personen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Autismus.

Die einzelnen, täglichen Effekte fielen eher klein aus. Außerdem lässt die Methodik streng genommen keine Aussagen über Ursache und Wirkung zu. Dennoch deuten die Wissenschaftlerinnen die zeitliche Abfolge der Beschwerden als Hinweis darauf, dass sich schlechter Schlaf und psychische Symptome gegenseitig aufschaukeln können. Deutlich werde dies vor allem bei psychisch belasteten Individuen: Bei ihnen verstärke eine geringe Schlafqualität die Symptome. Die Forschenden empfehlen deshalb, dem Thema Schlaf in Psychotherapien mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Gezielte Interventionen könnten helfen, psychische Symptome abzuschwächen – auch bei Menschen, die ihre Schlafzufriedenheit insgesamt noch als recht gut einschätzen.

  • Quellen

Sarsembayeva, D. et al., Clinical Psychological Science 10.1177/21677026261444282, 2026

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