Wetteranomalien: Schwächelt El Niño jetzt schon?
Der für den Herbst und Winter vorhergesagte El Niño im Pazifik könnte deutlich schwächer oder sogar ganz ausfallen. Darauf deuten neue Daten zu den momentan herrschenden Bedingungen im Ozean und in der Atmosphäre hin. Die Klimaanomalie El Niño beeinflusst weltweit das Wetter und geht oft mit katastrophalen Extremwetterlagen in Südostasien und an der südamerikanischen Westküste einher: Wo es sonst regelmäßig regnet, herrscht dann Dürre, während die peruanische Küstenwüste heftige Niederschläge erlebt. Momentan liegen die oberflächlichen Wassertemperaturen im östlichen Pazifik immer noch deutlich über den üblichen Werten, was ein klassisches Anzeichen für einen El Niño darstellt. In anderen Regionen und in größerer Wassertiefe hat die Erwärmung jedoch schon nachgelassen; außerdem hat sich die atmosphärische Zirkulation noch nicht umgestellt. Deshalb haben Michelle L'Heureux und ihre Kollegen vom Climate Prediction Center der NOAA die Wahrscheinlichkeit eines El-Niño-Ereignisses herabgesenkt: Sie liegt nun bei 65 statt bei 80 Prozent wie zuvor.
Damit verringert sich auch das Risiko, dass sich ein sehr starker El Niño einstellt, wie dies noch im Frühjahr prognostiziert wurde: Im April zog demnach eine riesige Warmwasserblase – eine so genannte Kelvin-Welle – durch den Pazifik ostwärts und trieb die Wassertemperaturen dort so stark in die Höhe wie 1997/98, als ein extremes El-Niño-Ereignis stattfand. Das gäben die Signale jetzt jedoch kaum mehr her, so L'Heureux: Der Ozean habe sich wieder etwas abgekühlt und die Wärme an die Atmosphäre abgegeben. Stattdessen erwartet sie einen schwachen oder allenfalls gemäßigten El Niño, der auch entsprechend weniger heftige Konsequenzen für die Menschen der betroffenen Regionen hätte. Gänzlich entwarnen wollen die Meteorologen jedoch nicht, da eine derartige Temperaturdelle im Ostpazifik etwa bei der Hälfte aller El Niños seit 1990 aufgetreten sei, dem Beginn der dauerhaften Überwachung.
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