Schweiz: Archäologen finden römisches Legionärsbrot

Nur in seltenen Ausnahmefällen haben sich Brotlaibe aus der Römerzeit erhalten, insbesondere dann, wenn das Gebäck mehr Hitze abbekam, als ihm guttat. Das war etwa in Pompeji der Fall, wo der Vulkanausbruch einige Laibe komplett verkohlte und damit dauerhaft konservierte.
Ähnliches scheint einem römischen Bäcker in der heutigen Schweiz auch ohne Vulkan gelungen zu sein. So deuten zumindest Fachleute der Aargauer Kantonsarchäologie ihre Entdeckung. Bei Ausgrabungen in Windisch, dem römischen Legionsstützpunkt Vindonissa, entdeckten sie ein Objekt, das sie für ein Fladenbrot aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. halten.
Genauer gesagt für den völlig verkohlten Überrest eines Brotes. Wie die Ausgräber in einer Pressemitteilung schreiben, ist das mutmaßliche Brot rundlich und eher flach. Seine Länge geben sie mit zehn Zentimetern an, die Dicke mit drei Zentimetern. Eingehendere Untersuchungen in einem Wiener Labor sollen die Identität des Funds nun zweifelsfrei klären.
Backen für das tägliche Brot
Brot zählte zu den Grundnahrungsmitteln römischer Legionäre. Sofern Einsatzbedingungen und Witterung es zuließen, bereiteten sie es alle paar Tage oder sogar täglich aus frisch gemahlenem Getreide selbst zu. Auch in längerfristig bewohnten Stützpunkten blieb das Backen in der Hand kleinerer Einheiten, vermutlich der Zeltgemeinschaften, in die alle Legionäre eingeteilt waren. Ein solches »contubernium« bestand in der Regel aus acht Mann. Funde aus Kastellen legen allerdings nahe, dass das Backen selbst in größeren Öfen erfolgte, die meist hinter der Mauer gelegen waren und zur Versorgung beispielsweise einer ganzen Zenturie gedient haben könnten.
Seit August 2025 graben die Fachleute in der Innenstadt von Windisch ein Areal aus, das sich vor den Mauern des eigentlichen Lagers Vindonissa befand. Wie sich zeigte, lag hier das erste Kastell, das die römischen Legionäre durch den Bau von Spitzgräben und einer Holz-Erde-Mauer errichteten. Im Inneren dieses Vorgängerlagers fanden die Fachleute unter anderem ein Haus, das aus zwei identisch aufgebauten Einheiten bestand: ein großer Raum mit Feuerstelle, an den sich zwei kleinere Kammern anschlossen. Direkt hinter der Mauer lag ein Gebiet mit Werkstätten zur Metallverarbeitung und ein großer, sorgfältig gebauter Lehmofen.
Von der Grabung, die noch bis Juli 2026 stattfinden wird, erhoffen sich die Experten auch eine Antwort auf die Frage, wann der temporäre Militärstützpunkt zum fixen Legionslager ausgebaut wurde: Fand das noch unter Kaiser Augustus statt oder erst nach dessen Tod im Jahre 14 n. Chr. unter seinem Nachfolger Tiberius? Als einziges Legionslager auf dem Gebiet der heutigen Schweiz beherbergte Vindonissa bis zu 6000 Soldaten. Hinzu kam noch eine Zivilsiedlung vor den Toren des Kastells. Den Bewohnerinnen und Bewohnern bot es einige Annehmlichkeiten der römischen Kultur, etwa ein Forum, ein Amphitheater oder öffentliche Bäder.
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