Raumsonden: Steht das US-Marsprogramm vor dem Aus?
Derzeit sieht es nicht gut aus für das an sich sehr erfolgreiche Programm der US-Raumfahrtbehörde NASA zur Erforschung des Mars mittels Raumsonden. Die US-Regierung unter Präsident Barack Obama plant, das Budget der NASA deutlich zusammenzustreichen, wodurch auch zwei Raumsonden zum Roten Planeten nicht mehr verwirklicht werden können. Ursprünglich wollte sich die NASA in den Jahren 2016 und 2018 intensiv am europäischen Programm ExoMars beteiligen, das den Start eines Satelliten zur Erkundung der Atmosphäre und die Landung von Rovern vorsah. Dabei wollte die NASA 2018 für die geplanten Marsrover die Technologie des "Sky Crane" für den Atmosphäreneintritt und weiche Landung zur Verfügung stellen. Der "Sky Crane" soll im August dieses Jahres den Rover "Curiosity" auf dem Roten Planeten absetzen. Zudem wollte die NASA die Atlas-V-Trägerrakete für die Starts beisteuern. Die für die absehbare Zeit letzte US-Marssonde wird nun MAVEN sein, ein kleiner Orbiter, der 2013 gestartet werden soll und die Zusammensetzung der Marsatmosphäre untersuchen wird.
Bei der ESA sind jetzt Überlegungen im Gange, die Russen ins Boot zu holen, obwohl deren neuester Versuch, mit Phobos-Grunt eine Raumsonde zum Roten Planeten zu schicken, bekanntlich in einem Debakel endete. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos könnte aber Trägerraketen stellen, oder Strukturen für die europäischen Sonden bauen. Im Gegenzug erhielte die russische Seite das Recht, selbst entwickelte Messinstrumente an Bord der europäischen Sonden zu platzieren und eigene Forschungen durchzuführen. Nun bleibt abzuwarten, wie sich die Pläne der ESA in den nächsten Monaten entwickeln werden Die derzeitigen Planungen sind jedenfalls erst einmal Makulatur.
Neben den Planungen für die Marsforschung sind auch die Pläne für fortschrittliche Raumsonden zu den Gasriesen und ihren Monden hinfällig. Auf absehbare Zeit wird es keine Mission zum Jupitermond Europa geben und auch die Pläne für eine Langzeitsonde auf dem Saturnmond Titan, die dessen Oberfläche im Detail erkunden sollte, sind erst einmal vom Tisch. In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar gab der Chef der US-Raumfahrtbehörde NASA weitere Details über das kommende Budget bekannt. Demnach sinkt das Budget von 17,7 Milliarden US-Dollar für 2013 um 0,3 Prozent gegenüber 2012. Was sich zunächst einmal harmlos anhört, bedeutet bei näherem Hinsehen dann doch große Einschnitte. Praktisch unbeschadet bleiben die bemannte Raumfahrt und der Betrieb der Internationalen Raumstation ISS, die jeweils vier Milliarden Dollar und damit den Löwenanteil des Budgets erhalten. Weitere drei Milliarden Dollar fließen in die Entwicklung der Schwerlastrakete SLS und der Orion-Raumkapsel. Des Weiteren werden rund 800 Millionen Dollar für die Förderung der privaten Raumfahrt zur Verfügung gestellt.
Schwer von Einsparungen getroffen wurde dagegen der Bereich Wissenschaft. Hier müssen Gelder für die Fertigstellung des James Webb Space Telescope aus dem vorhandenen Finanzrahmen aufgebracht werden, das weit über Budget liegt und frühestens im Jahr 2018 gestartet werden kann. Am stärksten leidet dadurch bei den neuen Plänen wie schon erwähnt die Planetenforschung und das Marsprogramm wird um 38,5 Prozent von 587 Millionen US-Dollar im Jahr 2012 auf 361 Millionen Dollar für 2013 gekürzt. Jedoch ist die Verkündung der Budgetpläne noch nicht das Ende vom Lied, denn nun kommen die beiden Kammern des US-Kongresses zum Zuge. Sowohl das Repräsentantenhaus als auch der Senat können und werden Änderungen am NASA-Budget durchsetzen. Diese Verhandlungen werden bis in den Spätsommer andauern. Es kann dabei durchaus geschehen, dass das Budget für die Planetenforschung wieder hergestellt wird. Nicht umsonst gelten die Mars- und Planetensonden als "Kronjuwelen" der US-amerikanischen Wissenschaft.
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