Feuerökologie: Wenn Moore zu Zunder werden
Von Indonesien bis Kanada – weltweit stehen Moorgebiete unter Druck: Sie werden entwässert, um Flächen für die Landwirtschaft oder den Verkehr zu schaffen oder um Torf für den Gartenbau zu gewinnen. Doch das hat weit reichende Folgen über das eigentliche Ökosystem hinaus, wie eine Bestandsaufnahme von Gustaf Granath von der McMaster University und seinem Team zeigt. In nassem Zustand bilden diese Habitate eine natürliche Feuerbarriere und verhindern so beispielsweise, dass sich Waldbrände ausweiten. Zudem speichern sie riesige Mengen an Kohlenstoff, weil sich abgestorbenes Pflanzenmaterial unter den feuchten Bedingungen nur sehr langsam abbaut. Insgesamt sollen die Moore global gesehen mehr Kohlenstoff eingelagert haben als die tropischen Regenwälder – allein in Kanada schätzen die Forscher die Menge an gespeichertem Kohlenstoff auf mindestens 185 Milliarden Tonnen, wobei die Torfschichten wenige Zentimeter bis dutzende Meter dick sein können.
Wird das gespeicherte Wasser mit Hilfe von Dränagegräben abgeleitet, werden die Moore jedoch im wahrsten Sinne brandgefährlich. Feuer fressen sich in die Torfschichten und können dort jahrelang glimmen, ohne dass sie wirklich bekämpft werden können. Allein die Torfbrände 2015 in Südostasien, die durch eine von El Niño begünstigte Trockenheit und falsche Agrarpolitik ausgelöst wurden, setzten ungefähr eine Milliarde Tonne Kohlendioxid frei – mehr als der deutsche Gesamtausstoß des vergangenen Jahres. Und die durch Torfbrände freigesetzten Ruß- und Staubpartikel sollen mitverantwortlich für 3000 Todesfälle sein, die während der schweren Wald- und Moorbrände 2010 in Russland aufgetreten sind. Entwässerung verschärft zudem in den borealen Nadelwäldern die Waldbrandsituation: Sowohl das gewaltige Feuer 2011 am Sklavensee in Alberta als auch die verheerenden Brände rund um Fort McMurray im Frühjahr 2016 fraßen sich durch dränierte ehemalige Moore.
Gerade in Kanada habe die Feuerpolitik der letzten Jahrzehnte aber auch unerwartete Folgen mit sich gebracht – die das Waldbrandrisiko sogar noch erhöhen und die Moore gefährden, so Granath und Co. Weil Feuer oft frühzeitig erstickt wurden, konnten Schwarzkiefern auch in Feuchtgebieten ungehindert wachsen. Sie überschatten die Moose und sorgen dafür, dass diese absterben. Gleichzeitig verursacht ihr Wasserbedarf, dass der Moorwasserspiegel sinkt – was wiederum die oberen Torfschichten austrocknet. Dies könne jedoch wieder rückgängig gemacht werden, meinen die Wissenschaftler. Dazu müssten die Kiefern manuell aus Mooren entfernt werden und die Dränage von genutzten Mooren gestoppt werden. Wo Moose abgestorben sind, müssen sie allerdings wieder angepflanzt werden, um rasche Regeneration zu bewirken. Das sei zwar kostenintensiv, aber die Folgen brennender Moore wären deutlich teurer.
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