Direkt zum Inhalt

Keine Bibelstory: Wie Australiens zwölf Apostel wirklich entstanden

Bis zu 70 Meter hoch sind die mysteriösen Kalksteintürme im Meer vor Australien. Sie sind ein Produkt jenes Ozeans, der sie nun unaufhaltsam zerstört.
Küstenlandschaft mit mehreren markanten Kalksteinfelsen, die aus dem Meer ragen. Die Felsen sind von Wellen umspült und stehen vor einer steilen Klippe. Der Himmel ist klar und das Meer erstreckt sich bis zum Horizont.
Die spektakulären Kalksteinklippen vor der Südküste Australiens sind eine bedeutende Touristenattraktion. Doch ihr Ursprung war lange unklar.

Vor der Küste Südaustraliens stehen bis zu 70 Meter hohe Sandsteintürme in den Wellen. Diese die zwölf Apostel genannten Formationen erzählen die Geschichte eines Landstrichs, den der Ozean einst schuf und sich nun zurückholt. Lange war die geologische Geschichte der Region unbekannt. Nun hat ein Forschungsteam um Stephen J. Gallagher von der University of Melbourne entschlüsselt, welche Kräfte die insgesamt acht Türme einst erschufen – und wie lang ihre Geschichte wirklich zurückreicht. Wie die Arbeitsgruppe im »Australian Journal of Earth Science« berichtet, wurde das Land einst gedehnt, zusammengedrückt und angehoben, und seither formten Regen und Wellen aus der steilen Küstenlinie immer neue Säulen. Womöglich Hunderte insgesamt.

Die Türme bestehen aus Kalkstein, den einst das Meer dort ablagerte. Doch einst war dort an der Südküste Australiens kein Ozean. Stattdessen grenzte der Kontinent nahtlos an die Antarktis. Doch tektonische Kräfte ließen die Landmassen auseinanderreißen, der Kontinent wurde durch die Zugkräfte gedehnt und ausgedünnt. Das Meer bedeckte Südaustralien und begann vor 14 Millionen Jahren, dicke Schichten aus Kalkstein abzulagern, während Australien langsam nach Norden in Richtung Ostasien driftete. 

Vor knapp neun Millionen Jahren schließlich begannen die Kontinente zusammenzustoßen. Als Australien mit dem heutigen Neuguinea in Kontakt kam, wirkte der Zusammenstoß bis weit in den Süden und beendete die Herrschaft des Ozeans. Die ganze Region wurde etwa parallel zur heutigen Küstenlinie zusammengedrückt, begann sich zu wellen wie ein zusammengeschobener Teppich und stieg dabei über die Meeresoberfläche. Die Rücken und Tröge sieht man auch heute noch, und auch Brüche im Gestein zeugen von dem Druck durch die Tausende Kilometer entfernte Kollision.

Doch wenn Gestein über die Meeresoberfläche hinausragt, ist sein Schicksal besiegelt. Regenwasser drang ins Gestein ein und löste den Kalkstein entlang von Klüften und Rissen auf. Man nennt solche von Höhlen durchzogene Kalksteine Karst. Und diese Hohlräume formten auch die Gestalt der Türme im Untergrund vor. Als das Meer die Kalkküste nach und nach abzutragen begann, drang es entlang solcher Schwächezonen tief in die Küste vor. Die Gesteine zwischen ihnen blieben dagegen als fingerartige Vorsprünge zurück.

Solche Halbinseln beugen die anbrandenden Wellen um ihre Spitze herum nach innen, sodass sie die Flanken der Finger von beiden Seiten abtragen. Mit der Zeit bildeten sich so Bögen und schließlich immer wieder die einzeln stehenden Säulen. Auf diese Weise formte das Meer nicht nur die heutigen Apostel, sondern arbeitet schon heute an ihren Nachfolgern, die einst dort aufragen werden. Denn schon seit hunderttausenden Jahren erzeugt das Meer dort imposante Steinsäulen. Etwa sechs Kilometer vor der Küste fanden Fachleute tief unter Wasser vier Meter hohe Felssäulen: die verlorenen Apostel früherer Äonen.

  • Quellen
Gallagher, S. et al., Australian Journal of Earth Sciences 10.1080/08120099.2026.2638817, 2026

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.