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»Auf einen Kaffee im All«: Klatsch mit Niveau

Über Schwarze Löcher, Dunkle Materie, den Mond und Frauen in der Wissenschaft lässt sich auch im Kaffeehaus sprechen. Das belegt dieses Buch dreier Podcasterinnen.

Im Zwei-Wochen-Rhythmus treffen sich die drei Autorinnen dieses Buchs in ihrem Podcast auf einen »Cosmic Latte«. Dann geht es um allerlei Wissenswertes und Interessantes rund um die Astronomie. Aus diesen »Kaffeehausgesprächen« ist nun ein Buch geworden, das sich kurzweilig, gut verständlich und unterhaltsam vieler aktueller Themen rund ums Universum annimmt. Bestellen wir uns also auch ein beigefarbenes Getränk und lassen uns mitten im Kaffeehaus auf einen Ausflug ins All ein.

Zwölf Kapitel finden sich in unserem geräuscharmen Kaffeehauspartner. Es geht um kosmische Mythen wie Horoskope oder einen hypothetischen, dunklen Begleiter der Sonne; um Exoplaneten, die Sterne umkreisen oder einsam im All unterwegs sind; um Asteroiden und die Frage, wie wir die Erde vor einem möglichen Einschlag schützen könnten; um die Raumfahrt oder darum, wie die Spektroskopie die Natur der Sterne enthüllt hat. Ein Kapitel ist berühmten Astronominnen gewidmet, und eines Lise Meitner, einer der Entdeckerinnen der Kernspaltung. Außerdem erfahren wir, was die Wissenschaft zu Botschaften von Außerirdischen sagt oder was es mit den Schwarzen Löchern wirklich auf sich hat. Ein schönes Potpourri erwartet uns also.

Unterhaltsam und fundiert

Die Kapitel beginnen jeweils mit einem kurzen, erfundenen Trialog zwischen den Autorinnen. Diese Passagen klingen ziemlich künstlich, etwa so – Elka: »Wenn ich nicht wüsste, dass du vom Fach bist, würde ich denken, dass du dir diese ›seltsamen Objekte‹ einfach ausgedacht hast.« Jana: »Oh nein, die werden wirklich in der Astronomie diskutiert.« Eva: »Deshalb lieb ich die Astronomie ja so – sie überrascht einen immer wieder!« So dürften die Autorinnen wohl kaum miteinander reden, auch nicht im Kaffeehaus, und auch die Leserinnen und Leser des Buchs höchstwahrscheinlich nicht. Zum Glück sind die inhaltlich relevanten Texte aber nicht in diesem vermeintlichen Gesprächsstil verfasst, sondern einfach in ziemlich üblicher Sachbuchmanier.

Die Autorinnen verfügen nicht nur über fachliche Expertise, sondern verstehen auch eine Menge von Wissenschaftskommunikation. Ihr Text liest sich ausgesprochen gut, auch wenn man sich natürlich etwas mehr konzentrieren muss als bei einem normalen Kaffeekränzchen, denn immerhin geht es um Wissenschaftliches. Aber nie wird das Buch zu kompliziert oder zu flach. Die inhaltliche Tiefe steht etwas im Kontrast zum »Du« der Leseransprache. Manche Passagen klingen dann so, als ob sie sich an Kinder richten, für die das Buch aber zu anspruchsvoll sein dürfte. Letzteres gilt allerdings nicht für das Quiz am Ende des Buchs, bei dem man durch die Beantwortung von vier Fragen herausfinden kann, welcher »Planetentyp« man ist. Heißblütig wie die Venus oder eisig wie Neptun? Das ist dann wirklich etwas für Kinder oder eben: kindisch.

Kleinere Fehler und ein wichtiges Anliegen

Inhaltlich sind nur wenige Punkte zu kritisieren, zwei seien hier erwähnt. Um die Mythen zu entlarven, die sich um den Einfluss des Monds auf den Menschen ranken, schießen die Autorinnen übers Ziel hinaus – hier haben sie sich wohl verrechnet. So ist die Schwerkraft, die der Mond in rund 384 000 Kilometern Entfernung auf einen Menschen ausübt, doch deutlich größer als die Gravitationswirkung einer zwei Milligramm leichten Mücke, die sich auf dem Arm eines Menschen niederlässt (Seite 28). Und den Mythos, dass Schwarze Löcher generell eine hohe Dichte haben, befeuern die Autorinnen selbst (Seite 229). Für die schwersten Schwarzen Löcher in den Zentren von Galaxien gilt das nicht, diese können sogar weniger dicht sein als die irdische Luft.

Ein besonderes Anliegen ist es den Autorinnen, die wissenschaftlichen Leistungen von Frauen hervorzuheben, die ja in der Wissenschaftsgeschichte notorisch übergangen wurden. So stellt das Buch viele Forscherinnen vor, deren Arbeiten Grundlegendes zu unserem modernen Bild vom All beigetragen haben, etwa zur Spektralklassifikation der Sterne oder zu der Erkenntnis, dass das Universum voller Dunkler Materie sein muss. Dadurch wird »Auf einen Kaffee im All« zu einer Ermutigung und Inspiration insbesondere für junge Leserinnen, sich ruhig auch professionell mit der Astronomie zu befassen. Und das macht dieses Buch besonders wertvoll.

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