Wissenschaftsgeschichte: Professor Sex

Mit der Erforschung der Fassetten menschlicher Sexualität leistete Krafft-Ebing seinerzeit Pionierarbeit. Aber sicher hätte auch ihm der Atem gestockt, hätte er gewusst, wie offen Menschen 100 Jahre nach seinem Wirken in Fernsehtalkshows über ihr Intimleben plaudern. Damals noch selbst unter Ärzten tabu, ist die sexuelle "Abweichung" heute gesellschaftsfähig geworden: Sadomasochismus und Fetischmoden sind Attribute des Lifestyles. Selbst ein Hollywoodstar wie Nicole Kidman kann 2009 im Interview mit der britischen Zeitschrift "Gentlemen's Quarterly" freimütig bekennen: "Ich habe Erfahrungen mit Fetisch-Kram." Die Wortwahl der Australierin bringt den Wandel auf den Punkt: Harmloser kann man sich kaum über sexuelle Paraphilien (Abweichungen) äußern. Die "dunkle Seite" der Erotik hat – solange sie nicht in Verbrechen gipfelt – ihre Bedrohlichkeit verloren, ist zum Teil des modernen Alltags geworden.
Sadismus, Masochismus und Fetischismus sind Begriffe, die heute schon Teenagern geläufig sind. Ihren Schöpfer hingegen kennen die wenigsten ...
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