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Majestäten der Lüfte

Greifvögel verbinden wir mit Kraft, Schnelligkeit, Erhabenheit und Freiheit. Ihr scharfer Blick, ihr eleganter Flug und ihr Jagdgeschick faszinieren die Menschen seit jeher. Nicht von ungefähr zieren Adler viele Wappen und verkörpern Falken sowohl Helden als auch Götter.

Der vorliegende Bildband widmet sich allen 55 in Europa vorkommenden Greifvogelarten. Das Buch, das eher einem Nachschlagewerk gleicht, porträtiert die Tiere mit Steckbrief, Foto und Fließtext. Manche Aufnahmen füllen ganze Doppelseiten, etwa die eines Seeadlers, der sich Aas mit einem Raben und einer Elster teilt. Oder die eines Steinkauzes, der sich mit einer Maus im Schnabel in die Lüfte erhebt.

Die gefiederten Jäger, die sich in der Natur mitunter nur schwer beobachten lassen, präsentiert der Band aus nächster Nähe. Ob im geschickten Zusammenspiel mit dem Partner, im Sturzflug auf die Beute oder beim Füttern der Küken im Nest, ob spähend oder thronend – die Vogelaufnahmen sind beeindruckend. Eine Ahnung davon, wie sich Beutetiere fühlen könnten, wenn ein Bartkauz auf sie zurast, vermittelt ein Foto aus der Froschperspektive.

Lautlose Jäger

In dem Buch sind die Vögel in drei Kategorien gegliedert: Eulen, Greifvögel und Falken. Eulen gehen – im Gegensatz zu den anderen beiden – bei Dämmerung oder Dunkelheit auf Jagd und sind nicht besonders schnell, können sich dafür jedoch völlig geräuschlos nähern. Die zweite Gruppe der Greifvögel vereint Adler, Geier, Habichte und Sperber, die typischerweise über kräftige Greiffüße mit gefährlichen Krallen verfügen, mit denen sie ihre Opfer häufig töten. Die Falken schließlich – allesamt Leichtgewichte, die näher mit Papageien und Singvögeln verwandt sind als mit Greifvögeln und Eulen – stellen die dritte Gruppe dar. Ein Falke tötet seine Beute nicht mit den Fängen, sondern mit seinem relativ kleinen, grazilen, aber äußerst scharfen Schnabel.

Kerstin Viering und Roland Knauer, die Autoren des Werks, arbeiten als Biologen und Wissenschaftsjournalisten. Fachkundig gehen sie auf Verhalten, Lebensräume, Jagd und Jungenaufzucht der Tiere sowie auf deren Bedrohung durch den Menschen ein. Sie vermitteln viele Details zu den einzelnen Vogelarten, beispielsweise, dass der Wanderfalke im Sturzflug "zu den schnellsten gefiederten Jägern überhaupt" zählt und der Mäusebussard "der häufigste Greifvogel Europas" ist. Ein Lannerfalke bleibt lebenslang mit seinem Partner zusammen; sie erlegen sogar ihre Beute gemeinsam. Der Wespenbussard mit einer Flügelspannweite von fast anderthalb Metern ernährt sich tatsächlich von Wespen und Hummeln. Und der Schlangenadler nimmt es mühelos mit giftigen Kreuzottern auf.

Unter die Klingen gekommen

Eulen, Greifvögel und Falken leiden vielfach unter der intensiven Forst- und Landwirtschaft sowie unter dem Einsatz von Pestiziden, wie die Autoren zeigen. Bartkauz-Eltern mangelt es an Brutplätzen in alten Bäumen. Habichte finden schwerer Beute, seit Hecken und Ackerrandstreifen verschwunden sind. Jungvögel der Wiesenweihe fallen Ende Juni häufig Mähmaschinen zum Opfer, da sie zu dieser Zeit noch hilflos in ihren Bodennestern sitzen. Und das Aufnehmen von Insektenschutzmitteln über die Nahrung führt dazu, dass Sperber und andere Greifvögel dünnwandige Eier legen, die beim Brüten häufig zerbrechen. Auch wenn Turmfalken, die in städtischen Kirchtürmen und Hausfassaden nisten, kein Problem mit menschlicher Nachbarschaft haben: Viele Greifvogelarten sind nach wie vor durch uns bedroht.

Alles in allem überzeugt "Eulen und Greifvögel Europas" als schön gestalteter Bildband mit wissenswertem Inhalt, der zudem sehr preiswert ist.

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