Scheidungskinder: Scheiden tut weh
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Diese Angst teilen sicher die meisten Eltern, die beschließen, getrennte Wege zu gehen. Das waren im Jahr 2008 fast 100 000 Ehepaare – 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Betroffen waren davon fast 150 000 Kinder unter 18 Jahren. Wie in den meisten westlichen Nationen geht hier zu Lande durchschnittlich jede zweite Ehe zu Bruch. Statistisch gesehen sind Scheidungen also eine alltägliche Sache. Für die betroffenen Familien gilt das freilich nicht, und auch in der Öffentlichkeit wird immer öfter die Frage laut: Wie verändert es unsere Gesellschaft, dass derzeit ein Viertel der Kinder bei einem allein erziehenden Elternteil oder in Stief- beziehungsweise Patchworkfamilien aufwächst?
Trennungsforscher, die sich mit den Scheidungsfolgen für Kinder und Jugendliche beschäftigen, vertreten häufig recht unterschiedliche Standpunkte, und auch die entsprechenden Schlagzeilen in den Medien reichen von "Glücklich geschieden auf Kosten der nächsten Generation" bis zu "Schluss mit dem Märchen vom Scheidungsopfer Kind". Ein Blick auf die Ratgeberliteratur lässt einen ebenfalls staunen über die Uneinigkeit der Experten: "Scheidungsfolgen – die Kinder tragen die Last" – so überschrieben etwa die amerikanischen Psychologinnen Sandra Blakeslee, Julia M. Lewis und Judith S. Wallerstein 2002 die deutsche Veröffentlichung der Ergebnisse ihrer Langzeitstudie über Trennungskinder in den USA. "Kinder erleben eine Scheidung nicht nur als vorübergehende Krise", betonen die Autorinnen. Die Trennung verursache vielmehr "schwere innere Blessuren, die erst im Erwachsenenalter aufbrechen". Die US-Forscherinnen hatten über 25 Jahre hinweg 131 Kinder befragt. 40 Prozent von ihnen haben selbst nie geheiratet. Schuldgefühle und Probleme bei der Gestaltung eigener Beziehungen seien häufige Folgen bei Scheidung der Eltern, so ihre düstere Bilanz ...
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