Stadtentwicklung: Jakartas Untergang
13 Millionen Menschen, keine Kanalisation und hohes Erdbebenrisiko - das ist Jakarta, die Hauptstadt Indonesiens. Nun droht die Metropole unterzugehen, weil der Meeresspiegel steigt und die Stadt im Morast versinkt.
Jakarta ist unter den Metropolen Asiens das hässliche Entlein. Weder hat die indonesische Hauptstadt prachtvolle Tempel und Paläste wie Bangkok noch einen lockeren Lebesstil wie Phnom Penh. Urbanes Flair à la Singapur sucht man ebenso vergeblich wie die multikulturelle Buntheit von Kuala Lumpur. Grau in Grau muten die in den letzten Jahrzehnten entstanden Hochhäuser und Regierungsbauten an: Die aus der Ära von Präsident Suharto erinnern an die Repräsentationsarchitektur der Hauptstadt der DDR, während Hochhäuser aus jüngerer Vergangenheit in ihrem Design in etwa so raffiniert sind wie Berlins Märkisches Viertel.
Allen Gebäuden gemeinsam ist der leichte Dreckfilm, der über die Jahre die Fassaden überzogen hat. Jakarta, das je nach Tageszeit zwischen 10 und 13 Millionen Menschen beherbergt, ist dank des mörderischen Verkehrs die Mutter aller Luftverschmutzungen. Zu den Abgasen der Autos, Mopeds und knatternden Tuktuks – der dreirädrigen Motorradtaxis – kommen Qualm und Ruß vieler tausend Holzkohlegrills in den Straßen der Metropole, auf denen die Indonesier ihre Satay-Fleischspieße grillen. Werbetafeln, Hauswände, Handgeländer, Busse – alles ist mit einem grauen Schmutzfilm bedeckt. In Jakarta zu leben oder die Stadt auch nur zu besuchen, ist daher kein Vergnügen.
Gefährliches Leben
Zudem ist ein Aufenthalt in Indonesiens größter Metropole auch potenziell gefährlich, nicht nur wegen stets drohender Atemwegserkrankungen. Die Stadt wird gleich von drei Seiten bedroht: Durch die globale Erwärmung steigt der Meeresspiegel, sie versinkt unter ihrem eigenen Gewicht im morastigem Grund, und Jakarta befindet sich in einer extrem erdbebengefährdeten Region.
Das letzte größere Beben hatte Jakarta im August 2007 erschüttert. Das Epizentrum der Erdstöße der Stärke 7,5 lag nur rund 110 Kilometer von der Stadt entfernt. In Panik flohen die Menschen aus den Büros und ihren Häusern auf die Straße. Aber niemand fand den Tod und die Schäden an den Gebäuden waren relativ gering – was einem Wunder gleichkam: Die meisten Gebäude Jakartas können höchstens Beben der Stärke 6,0 widerstehen. Bisher waren die Beben jedoch zu weit entfernt oder zu tief in der Erdkruste, um der Stadt wirklich gefährlich zu werden – so wie jenes vom August. Einem schweren Beben aber in unmittelbarer Nähe oder gar direkt unterhalb Jakartas würden die Hochhäuser wohl nicht standhalten.
Nass von zwei Seiten
Gleichzeitig verschärft das immer stärker eindringende Meerwasser das Problem. Bis zum Jahr 2025 soll die Stadt um 40 bis 60 Zentimeter tiefer liegen als heute, hat die Weltbankstudie ergeben. Im gleichen Zeitraum steigt laut dem Bericht des Weltklimarats IPCC der Meeresspiegel klimabedingt um durchschnittlich fünf Zentimeter steigen. Noch etwas genauer sind die Zahlen des Meteorologen Armi Susandi vom Bandung Institute für Technologie, der zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Indonesien forscht. Susandi schätzt die Sinkrate Jakartas auf 0,87 Zentimeter pro Jahr. Das ist höher als der durchschnittliche Anstieg des Meersspiegels um 0,5 Zentimeter jährlich. Das heißt für die Stadt: Im Jahr 20025 könnte Jakarta bis zu fünf Kilometer weit ins Landesinnere unter Wasser stehen – wenn nichts unternommen wird, um das Schlimmste zu verhindern.
Die Armen leiden am stärksten
Wasser fehlt in den Wohngegenden der Wohlhabenden, vor allem aber in den Slums der Armen: Vierzig Prozent der Einwohner Jakartas sind nicht an die Ende der 1990er Jahre privatisierte öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Ihnen hilft nur Selbsthilfe durch das wilde Anzapfen der Grundwasservorräte. "Die Entnahme von Grundwasser ist ohne Beispiel für eine Stadt dieser Größe", sagte Almud Weitz, Wasserexpertin der Weltbank auf dem diesjährigen "Reuters Environment Summit" in Jakarta. Weitz fügte hinzu: "Das ist wie ein Schweizer Käse. Die Leute graben immer tiefer, und so versinkt die Stadt langsam aber sicher. Das ist der Grund, weshalb es zu Überflutungen in den ärmeren Vierteln an der Küste kommt." In Jakarta hat sich mittlerweile schon eine Wassermafia gebildet, die einen schwunghaften und lukrativen Handel mit dem kostbaren Nass betreibt, das durch das eindringende Meerwasser zunehmend versalzt und durch Umweltverschmutzung sowie Fäkalien kontaminiert ist.
Vom alten Batavia der holländischen Kolonialherren ist dagegen nicht mehr viel zu sehen. Abgesehen von einigen wenigen Gebäuden wie dem historisch interessanten "Café Batavia" und dem "Stadhuis" am Rathaus-Platz sowie der holländischen Zugbrücke über einen der wenigen noch existierenden Entwässerungskanäle – dessen Wasser kohlrabenschwarz ist und widerlich-faulig stinkt – sind die Kolonialhäuser in der Altstadt vernachlässigt und verfallen.
Allen Gebäuden gemeinsam ist der leichte Dreckfilm, der über die Jahre die Fassaden überzogen hat. Jakarta, das je nach Tageszeit zwischen 10 und 13 Millionen Menschen beherbergt, ist dank des mörderischen Verkehrs die Mutter aller Luftverschmutzungen. Zu den Abgasen der Autos, Mopeds und knatternden Tuktuks – der dreirädrigen Motorradtaxis – kommen Qualm und Ruß vieler tausend Holzkohlegrills in den Straßen der Metropole, auf denen die Indonesier ihre Satay-Fleischspieße grillen. Werbetafeln, Hauswände, Handgeländer, Busse – alles ist mit einem grauen Schmutzfilm bedeckt. In Jakarta zu leben oder die Stadt auch nur zu besuchen, ist daher kein Vergnügen.
Gefährliches Leben
Zudem ist ein Aufenthalt in Indonesiens größter Metropole auch potenziell gefährlich, nicht nur wegen stets drohender Atemwegserkrankungen. Die Stadt wird gleich von drei Seiten bedroht: Durch die globale Erwärmung steigt der Meeresspiegel, sie versinkt unter ihrem eigenen Gewicht im morastigem Grund, und Jakarta befindet sich in einer extrem erdbebengefährdeten Region.
Welch verheerende und tödliche Ausmaße ein Erdbeben haben kann, hat Indonesien innerhalb der letzten vier Jahre zweimal erfahren müssen: 250 000 Tote forderten Tsunamis nach einem Seebeben in Aceh auf Sumatra; mehr als 6000 Menschen kostete das Erdbeben in Jogjakarta auf Java vor zwei Jahren. Jakarta ist dagegen bisher mit einem blauen Auge davon gekommen, obwohl die Stadt immer wieder von Erdstößen erschüttert wird – liegt Java doch auf einer seismisch äußerst aktiven Zone: dem so genannten Ring aus Feuer, der sich um den Pazifik zieht.
Das letzte größere Beben hatte Jakarta im August 2007 erschüttert. Das Epizentrum der Erdstöße der Stärke 7,5 lag nur rund 110 Kilometer von der Stadt entfernt. In Panik flohen die Menschen aus den Büros und ihren Häusern auf die Straße. Aber niemand fand den Tod und die Schäden an den Gebäuden waren relativ gering – was einem Wunder gleichkam: Die meisten Gebäude Jakartas können höchstens Beben der Stärke 6,0 widerstehen. Bisher waren die Beben jedoch zu weit entfernt oder zu tief in der Erdkruste, um der Stadt wirklich gefährlich zu werden – so wie jenes vom August. Einem schweren Beben aber in unmittelbarer Nähe oder gar direkt unterhalb Jakartas würden die Hochhäuser wohl nicht standhalten.
Nass von zwei Seiten
Regelmäßig präsent ist dagegen das zweite Problem: Sechs Monate pro Jahr währt die Regenzeit, aber die Wassermassen wissen nicht mehr wohin. Die 23 Flüsse in der Stadt wie auch das von den Holländern angelegte Be- und Entwässerungssystem sind so zugestopft mit dem Müll und Unrat der zehn Millionen Einwohner, dass nichts mehr abfließen kann. Längst unter dem Asphalt der Straßen und dem Beton der Gebäude verschwunden sind zudem die natürlichen Auffanggebiete der großen Küstenebene, aus welcher der Moloch Jakarta emporwächst. "Eine stetig zunehmende Bevölkerung, dicht besiedelte Wohngebiete, rapides Wachstum der Infrastruktur, verschwindende Grünflächen und Auffanggebiete zusammen mit sechs Monaten Regen ergeben das perfekte Rezept für Flutkatastrophen, die buchstäblich die Stadt lahmlegen", heißt es in einer im Frühjahr veröffentlichten Studie der Weltbank.
Gleichzeitig verschärft das immer stärker eindringende Meerwasser das Problem. Bis zum Jahr 2025 soll die Stadt um 40 bis 60 Zentimeter tiefer liegen als heute, hat die Weltbankstudie ergeben. Im gleichen Zeitraum steigt laut dem Bericht des Weltklimarats IPCC der Meeresspiegel klimabedingt um durchschnittlich fünf Zentimeter steigen. Noch etwas genauer sind die Zahlen des Meteorologen Armi Susandi vom Bandung Institute für Technologie, der zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Indonesien forscht. Susandi schätzt die Sinkrate Jakartas auf 0,87 Zentimeter pro Jahr. Das ist höher als der durchschnittliche Anstieg des Meersspiegels um 0,5 Zentimeter jährlich. Das heißt für die Stadt: Im Jahr 20025 könnte Jakarta bis zu fünf Kilometer weit ins Landesinnere unter Wasser stehen – wenn nichts unternommen wird, um das Schlimmste zu verhindern.
Jan Jaap Brinkmann von der niederländischen Consultantfirma "Delft Hydraulics", die mit der Weltbank an der Studie gearbeitet hat, warnte gegenüber Medien: "Der Hauptgrund dafür ist nicht etwa der Klimawandel, sondern Jakarta versinkt einfach." Die Last der übermäßigen Bebauung drücke die Stadt tiefer und tiefer. Und das Sinken beschleunigt sich auch noch durch die unkontrollierte Entnahme von Grundwasser. Zum Kochen, Trinken, Waschen und Duschen, Schwimmen und Rasensprengen brauchen die Einwohner Jakartas Unmengen an Wasser – mehr als die Stadtverwaltung zur Verfügung stellen kann: Experten schätzen das jährliche Wasserdefizit auf 36 Millionen Kubikmeter.
Die Armen leiden am stärksten
Wasser fehlt in den Wohngegenden der Wohlhabenden, vor allem aber in den Slums der Armen: Vierzig Prozent der Einwohner Jakartas sind nicht an die Ende der 1990er Jahre privatisierte öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Ihnen hilft nur Selbsthilfe durch das wilde Anzapfen der Grundwasservorräte. "Die Entnahme von Grundwasser ist ohne Beispiel für eine Stadt dieser Größe", sagte Almud Weitz, Wasserexpertin der Weltbank auf dem diesjährigen "Reuters Environment Summit" in Jakarta. Weitz fügte hinzu: "Das ist wie ein Schweizer Käse. Die Leute graben immer tiefer, und so versinkt die Stadt langsam aber sicher. Das ist der Grund, weshalb es zu Überflutungen in den ärmeren Vierteln an der Küste kommt." In Jakarta hat sich mittlerweile schon eine Wassermafia gebildet, die einen schwunghaften und lukrativen Handel mit dem kostbaren Nass betreibt, das durch das eindringende Meerwasser zunehmend versalzt und durch Umweltverschmutzung sowie Fäkalien kontaminiert ist.
An Konzepten, Plänen und gutem Willen, die Wasserprobleme und Entwicklung Jakartas in den Griff zu bekommen, mangelt es nicht. Und dank der Weltbank und anderer internationaler Organisationen auch nicht wirklich an Expertise und Geld. Pläne werden entwickelt, um die Stadt vor einer Überflutung durch das Meer zu schützen. Zudem will Jakarta in den kommenden Jahren die Kanäle und Wasserläufe von Unrat befreien und ausbaggern, um so Ablauf- und Überlaufgebiete für die Wassermassen zu schaffen. Bis es soweit ist, wird Jakarta weiter jährlich mehrfach Fluten von einem Ausmaß erleben, die Batavia zu Zeiten der Holländer allenfalls alle 25 Jahre heimsuchten.
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